Die Maschine zielt, das Gesetz schweigt
Ich habe zwei Kriege gesehen. Ich weiß, was Aufsicht ohne Richter anrichtet. Jetzt wird andere Munition ausgeliefert. Leiser. Ohne Patronenhülsen.
PredPol rechnet. Dreimal täglich. 500 mal 500 Fuß große Planquadrate. Polizeiberichte, Wetterdaten, Anwohnermeldungen — alles fließt ein. Das Verfahren wurde zur Vorhersage von Nachbeben entwickelt. Jetzt sagt es Cops, wohin sie Streifen schicken.
Der Befund, den niemand drucken will: Es gibt keinen. Keine rechtliche Rahmenbedingung regelt, wie diese Technologie eingesetzt werden darf. Kein Gesetz definiert, welche Daten einfließen. Kein Richter prüft, ob der Algorithmus verfassungsgemäß arbeitet.
Die Entwickler preisen ihre Software als doppelt so genau. Schön. Aber doppelt so genau in welcher Hinsicht? Wenn Minderheiten häufiger kontrolliert, angezeigt und erfasst werden, rechnet die Maschine nur die Diskriminierung fort, die im System steckt. Der Algorithmus ist nicht neutral — er ist das Echo vergangener Einsätze. Er trifft Randgruppen zuerst.
PredPol adressiert nicht, warum jemand einbricht. Nicht die Miete. Nicht den Job. Nicht die Sucht. Die Software verlegt das Verbrechen in eine andere Box — Symptombehandlung mit statistischer Genauigkeit.
Die wissenschaftliche Validität? Umstritten. Der Datenschutz? Ungeklärt. Die ethischen Implikationen? Werden heruntergespielt. Die Behörden kaufen trotzdem.
Nach einer PredPol-Prognose kontrollierte ein Beamter in Santa Cruz drei Personen. Eine führte ein gestohlenes Fahrrad mit. Sein Fazit: „Das sind typische Einbrecher oder Räuber. Vielleicht bisher nicht, aber früher oder später begehen sie Verbrechen."
Vielleicht. Früher oder später. Keine Verurteilung. Eine Vorverurteilung, getarnt als Prognose. Hier kippt die Sache.
2002 baute Spielberg Pre-Cogs. Das Publikum war entsetzt. 2013 heißt die Pre-Cog PredPol — und die Polizei setzt sie ein. Science-Fiction stellte präkognitives Polizieren als problematisch dar. Die Realität hat es gebaut. Ohne Aufsicht.
Ich habe zwei Kriege gesehen. Bei beiden kam der Richter zu spät. Bei diesem hier sitzt er gar nicht erst am Tisch.
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