DIE BILANZEN DES HERRN SEWING — UND DER SCHATTEN, DER BLEIBT
Die Pfeife glimmt. Es riecht nach alten Büchern und neuer Heuchelei.
Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, steht im Fokus rechtlicher Herausforderungen, die seine bisherige Erfolgsbilanz bei der Stabilisierung der Bank in Frage stellen. Der Mann, der auf Bankenkongressen doziert, dass wer Kurs hält belohnt wird, steht selbst vor einem Kurs, den niemand prüft.
Die Klagen betreffen intransparente Bilanzgeschäfte, die zu Strafverfahren in Italien führten und die interne Untersuchung der Bank auslösten. Italien. Strafverfahren. Drei Wörter, die in der Taunusanlage keiner hören will.
Die Deutsche Bank sieht sich mit erheblichen Schadenersatzklagen konfrontiert, die ihren Ruf und ihre finanzielle Stabilität gefährden. Die Nutzung von Dark Pools kann zu Verzerrungen im Auftragsbuch und in der Preisfindung auf öffentlichen Märkten führen. Strenge Regulierung und Transparenz sind notwendig, um Missbrauch und potenzielle Finanzkriminalität in Dark Pools zu verhindern. Man schreibt das in Pressemitteilungen. Man meint es nicht.
Hinter allem steht der alte Geist: Cum-Ex. Der Skandal, der den deutschen Staat um geschätzte zehn Milliarden Euro betrogen hat, wird seit 14 Jahren aufgearbeitet — länger als mancher Krieg, kürzer als die Geduld der Steuerzahler. Rund 1.800 Beschuldigte. Köln, Frankfurt, München, Stuttgart. International verflochten.
Hanno Berger, 72, das Mastermind, Mr. Cum-Ex. Zehn Jahre Haft, die bislang höchste Strafe im Skandal und eine der höchsten wegen Steuerhinterziehung in Deutschland überhaupt. Persönlich vereinnahmt: rund 15 Millionen Euro. Trotz rechtskräftiger Urteile hält sich Berger für unschuldig und verfolgt seinen Fall weiter vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Bauernopfer, sagt er im Podcast. Fünfzehn Millionen auf dem Konto, Bauernopfer. Der Schaden: zweistellige Milliardenhöhe.
Unklar bleibt, welche Posten in Sewings Büchern noch welche Schatten werfen. Klar ist nur: Wer unsicht die Bücher führt, führt die Bilanz — und wer die Bilanz führt, führt früher oder später die Stadt.
❖ Ende des Artikels ❖
