Nord Stream tot, Prozesse lebendig: Wer zahlt für die Sanktionen?
1937 dreht jemand den Hahn auf. 2026 dreht ihn jemand zu. Dazwischen liegen Pipelines, Gewinne und die Leichen, die niemand zählt.
Die Pipeline ist kalt. Nord Stream 2 AG existiert nur noch auf Papier, das keiner mehr vorzeigen will. Doch jetzt beginnt der Prozess. Vor dem Landgericht Frankfurt. Die Deutsche Bank will 260 Millionen Euro von Linde. Linde will nicht zahlen. Russland will nicht zahlen. Am Ende zahlt immer derselbe.
Die Zahl, die mir nicht aus dem Kopf geht: 810 Millionen Euro. Forderungen deutscher Banken gegen ein Gazprom-Projekt in Ust-Luga, das nie fertig wurde. Grundsatzcharakter, sagt die Financial Times. Klar. Es geht nicht um eine Rechnung. Es geht darum, wer die Zeche bezahlt, wenn Politik die Wirtschaft zerschlägt.
Wadephul trifft Lawrow. Zwanzig Minuten, am Rand der UN-Vollversammlung. Klingt nach Diplomatie. Riecht nach Drohung. Deutschland verlangt, Russland solle sich „ernsthaft" an Verhandlungen beteiligen – obwohl Deutschland selbst nicht mal am Tisch sitzt. So sieht Bittstellung aus, wenn man sie in Anzug und Krawatte trägt.
Und während die Europäer noch so tun, als könnten sie Bedingungen stellen, hat Gazprom längst umgeschaltet. LNG-Deals mit China. LNG-Deals mit Indien. Das Gas fließt jetzt nach Osten, nicht mehr nach Westen. Vermögenseinfrierungen? Gazprom lacht. Die wissen, wie man Konten bewegt, wie man Strukturen baut, die kein Anwalt findet.
Die wahren Gewinner sitzen nicht in Moskau und nicht in Berlin. Sie sitzen in Vorstandsetagen jener Konzerne, die rechtzeitig ausgestiegen sind. Die deutsche Industrie hat ihre Verluste sozialisiert – über die Gaspreisbremse, über die Inflation, über die Miete.
Der Spiegel schreibt über Russen, die Unkraut essen. Beide Seiten verdienen Geld damit, dass wir wütend aufeinander zeigen statt auf die, die oben sitzen.
Was bleibt? Eine offene Frage: Wer profitiert eigentlich davon, dass diese Pipeline niemals Gas liefert? Die Anwälte in Frankfurt werden sie stellen. Ich stelle sie jetzt schon.
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