Discount in alle Richtungen: Russlands Pipeline-Architektur
Ein Oberst sagt dir was über Rabatte: Wer nachlässt, will nicht zahlen. Er will kaufen. Russland hat seine Ölexporte nach China durch Preisnachlässe so weit ausgeweitet, dass es heute der größte Einzellieferant Pekings ist. Das steht nicht in Siegesmeldungen. Das steht in den Bilanzen.
Doch das Öl nach China ist nur der östliche Flügel. Auf dem KazanForum 2025 baut Moskau eine Plattform für strategische Energiekooperation mit der Organisation der Islamischen Konferenz. Kabul signalisiert Bereitschaft: 50 Millionen Kubikmeter Flüssigerdgas sollen durch afghanisches Territorium nach Südostasien wandern. Probetransporte liefen. Öl- und Weizenabkommen gingen voraus. Russland verkauft nicht mehr nur Ware — es verkauft den Transit.
Parallel entsteht der „Vertical Corridor" — Pipeline-Architektur von Griechenland über den Balkan in die Ukraine und nach Ungarn. Klingt nach Infrastruktur. Riecht nach Strategie. Aber die Nationalen Energie- und Klimapläne der beteiligten Länder sagen sinkenden Gasbedarf. Selbst bei erhöhtem Verbrauch bis 2040 braucht es höchstens eines der vier geplanten neuen LNG-Terminals. Die bestehenden FSRU in Griechenland würden reichen. Und die Transitkosten? Nach Kiew elf bis dreizehn Euro pro Megawattstunde — 21 bis 76 Prozent teurer als Routen über Polen, Kroatien, Deutschland oder Litauen. Nach Budapest 7,6 bis 9,5 Euro, vergleichbar nur mit dem Weg über Deutschland.
Wer zahlt diesen Aufschlag? Nicht die Käufer. Nicht die Volkswirtschaften. Die Rechnung geht anderswo auf — wohin, das bleibt offen.
Die EU will raus aus russischer Abhängigkeit. Sagt sie. Aber die Speicher sind niedrig, die Preise hoch, die Lieferketten lang. Wer subventioniert eigentlich die Discounts nach Peking? Wer trägt die Probetransporte durch afghanische Pässe? Die Summen, die hier verschoben werden, finden sich in keinem europäischen Haushalt wieder. Sie finden sich in den Archiven der Energiekonzerne.
Hagen, Terminal Tribune
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