Malaspinas Fracht: 120 Stämme unter Verschluss
42.000 Seemeilen, internationale Gewässer, über 120 unbekannte Bakterienstämme aus unterschiedlichen Tiefen, Salz- und Sauerstoffgehalten. Die Malaspina-Expedition ist nicht länger Expedition — sie ist Lieferantin.
Lipotrue spricht von einer "unbegrenzten Quelle neuer Wirkstoffe" aus Ozean, Seeluft, Nesseltieren, Wanderquallen, Halophyten der Küste und aufeinandertreffenden Meeresströmungen. Die Biologie wird Apotheke. Verschwiegen wird, was eine Aufsicht verlangen würde: Register der Stämme, Liste der Partner, offene Interessenkonflikte.
In Wien Essling arbeiten 24 Personen. Drei Institutsleiterinnen — Erhart, Fuchs, Bonell — führen 21 Mitarbeiter, darunter 13 Akademiker, drei Versuchstechniker, eine Sekretärin. Sie nennen sich Bionauten, wollen biologische Landwirtschaft "wissenschaftlich untermauern" und das Wissen verbreiten. Feldforschung in Wien und im Bundesgebiet. Alles korrekt aufgelistet, alles ungeprüft.
Was nicht in der Selbstdarstellung steht: Das Institut arbeitet im Kontext von DURC — Dual Use Research of Concern — und damit in einer Sphäre, in der biologische Landwirtschaft auch biologische Bedrohung sein kann, mit spezifischer Relevanz für internationale Sanktionen. Welche Review-Prozesse greifen? Namhafte Medien wie die New York Times und CNN berichteten — Bedeutung wird betont, Aufsicht nicht.
Das Muster wiederholt sich: Beim EU-AI-Act wird menschliche Kontrolle beschworen, doch klare Beschwerde- und Review-Prozesse fehlen, was die Umsetzung erschwert. Bei der maritimen Bioforschung fehlt, was eine Aufsicht verlangen würde: Transparenz über Finanzierung, Patente, Verwertung.
Ich rauche meine Pfeife. Bleibt die Frage: Wem gehören die 120 Stämme, wenn sie patentiert sind — und wer hat das bezahlt?
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