ANETA tritt an – und niemand fragt, wer im Schatten mitzeichnet
Es gibt Sätze, die klingen wie Erste Hilfe und funktionieren wie ein Betäubungsmittel. „Die Einrichtung von ANETA als Implementierungsarm von MTNIMA ist entscheidend für die Beschleunigung der digitalen Inklusion" – so steht es in den Protokollen, so nickt man in den Konferenzräumen von Nouakchott. Man verbeugt sich vor der Digitalisierung wie vor einem Heiligenbild. Niemand fragt, wer das Bild gemalt hat.
ANETA soll es also richten. Der neue Arm von MTNIMA, jener Behörde, die fortan Mauretaniens Zukunft in Datenbanken gießen soll. Die UNDP steht daneben, freundlich wie immer, und versichert, die Transformation werde inklusiv sein. Inklusiv. Das Wort hat man in Genf oft gehört – meist kurz bevor jemand ausgeschlossen wurde.
Man verspricht, die digitale Kluft zu schließen, zwischen Stadt und Land, zwischen jenen am Bildschirm und jenen, die nicht einmal wissen, dass es diesen Bildschirm gibt. Eine noble Aufgabe. Und eine Aufgabe, bei der der Ermittler zunächst die Architekten betrachtet, nicht die Architektur.
Denn wer schreibt eigentlich in die Algorithmen, was Inklusion bedeutet? Wer definiert, welche Dienste zugänglich sind? Die Protokolle schweigen hier höflich. Sie sprechen von Beschleunigung, von Überwindung, von Chancengleichheit – doch die Vokabel „Kontrolle" taucht nur an einer Stelle auf: bei den Grenzkontrollen.
Man male sich das aus. Dieselbe Struktur, die inkludiert, kontrolliert an den Grenzen. Dieselben Akteure, die den Zugang ermöglichen, entscheiden, wer ihn nutzen darf. Wer digitalisiert, der herrscht – so lautete der alte Satz. Heute trägt niemand mehr eine Krone. Man trägt Handschuhe. Man trägt sie besonders gern beim Schreiben.
Unklar bleibt, wer am Ende in den Vorstandsetagen von ANETA sitzen wird, welche Berater die Standards setzen, wessen Interessen in den Datenpunkten mitwandern, die MTNIMA dereinst erheben wird. Die UNDP spricht von Partnerschaft. Die Macht spricht – wie immer – von Notwendigkeit. Und Mauretanien bekommt eine Behörde, die ihm verspricht, endlich anzukommen in einer Welt, deren Landkarten längst ohne diejenigen gezeichnet wurden, die nun darauf stehen sollen.
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