Putins Schattenflotte und die stillen Profiteure
Jemand dreht den Hahn auf. Jemand dreht ihn zu. Beides kostet Leben.
Putins Kriegskasse riecht nach Pipeline. Süßlich, faul, wie etwas das lebendig war und jetzt nicht mehr. Und sie fließt weiter. Nur die Wege ändern sich.
Trump hat ein Ultimatum gestellt. Frist: 8. August. Diesmal trifft die Waffe nicht den Kreml direkt, sondern seine Käufer. Indien soll aufhören, russisches Öl zu importieren. 35 Prozent seines Bedarfs deckt Neu-Delhi mit Moskauer Ware — vor dem Überfall auf die Ukraine waren es 2,5 Prozent. Erlaubt vom Westen, weil man höhere Weltmarktpreise fürchtete. Jetzt soll Indien die Rechnung zahlen. 25 Prozent Strafzoll drohen. Im Senat liegt ein Entwurf mit bis zu 500 Prozent. Das ist kein Handel. Das ist Erpressung mit Zahlen. Indien wehrt sich. Zu Recht. Denn wer bestimmt, welche Pipeline ein Land nutzen darf? Die gleiche Moral, die Washington predigt, hat Europa gebrochen, als russisches Gas durch Nord Stream floss.
Doch es gibt ein zweites Schlachtfeld. Das Wasser. Frankreich geht gegen die russische Schattenflotte vor. Tanker unter falscher Flagge, Versicherungen gefälscht, Eigner im Nirgendwo. Die Montego-Bay-Konvention wird bemüht — internationales Seerecht als Waffe. Russland kontrolliert womöglich einen bedeutenden Anteil der globalen Tankerflotte. Genug, um den Ölhandel zu beeinflussen, zu drücken, zu erpressen. Wer die Schiffe kontrolliert, kontrolliert den Preis.
Parallel passiert das Merkwürdige: Ausländische Partner bitten die Ukraine, ihre Drohnenangriffe auf russische Raffinerien zu reduzieren. Zu groß die Sorge vor Preissprüngen. Selenskyj antwortet kühl: Hört ihr auf, hören wir auf. Budanow gibt zu: Die Schäden können nicht mit dem Preisanstieg mithalten. Aber sie treffen. Im März sanken Russlands Exporte leicht.
Und drinnen in Russland? Benzin wurde seit Anfang März zehn Prozent teurer, Super sogar dreizehn. Exportverbot bis Ende Juli. Der Krieg frisst sein eigenes Land.
Wer profitiert? Ölkonzerne, die Sanktionen als Preistreiber nutzen. Raffinerien, die billiges Öl veredeln. Reeder im Schatten der Schattenflotte. Unklar bleibt, wer hinter den Briefinggesellschaften in Zypern, Malta, Dubai wirklich steht. Und ob Trumps Drohungen diesmal mehr sind als Hinhaltetaktik. Sicher ist nur: Der Hahn wird weiter aufgedreht. Die Frage ist, wessen Budget am Ende bezahlt.
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