Börse
Terminal Tribune

1. Oktober 2026

Dossier · Politik & Macht

Schnell registriert, selten kontrolliert: ESG-Fonds und BVI

1. Oktober 2026 — — Kastner

Manche Wege ins Paradies führen über die Karibik. Britische Jungferninseln — BVI — ein Archipel, dessen Register schneller und weniger komplex arbeitet als jene der EU. Was Investoren anzieht, lässt Regulatoren aufhorchen. Wo die Eintragung leicht ist, ist die Kontrolle oft dünn. Und dorthin, wo die Kontrolle dünn ist, fließt das Geld, das vorgibt, grün zu sein.

Zeitgenössische Anzeige (Illustration)
— Anzeige —

Die 25-Millionen-Euro-Strafe gegen die Deutsche-Bank-Tochter DWS im April 2024 ließ die Fassade bröckeln. Whistleblower wie Desirée Fixler hatten systematisches Greenwashing vorgeworfen — ESG-Fonds, die mit Nachhaltigkeit warben, während Royal Caribbean, der Coca-Cola-Verbund CCEP und der Holzkonzern Drax im Portfolio lagen. Das Urteil fiel milde aus: Ordnungswidrigkeit, kein Betrug. Die Botschaft bleibt dieselbe, die ich in Genf bei Verträgen lernte, die nie eingehalten wurden: Man muss nicht lügen, um zu täuschen — man muss nur verschweigen.

Besonders aufschlussreich: Das Vergütungssystem der DWS bot Anreize für genau diese Strategie. Greenwashing als Karriereweg. Kein Einzelfall — 31 Prozent der Unternehmen erhöhen ihre Nachhaltigkeitsausgaben, reduzieren aber gleichzeitig die Kommunikation darüber. Man spricht nun von Greenhushing. Eine Branche, die lauter wird, wenn sie leiser sein sollte.

NGOs und Aktivist:innen haben das Wort ergriffen. Sie nutzen den DWS-Skandal, um auf die Risiken sogenannter Light-ESG-Produkte hinzuweisen, und fordern strengere Kontrollen. Aufsichtsbehörden verlangen klarere Kriterien und strengere Überprüfungen, um irreführende Praktiken zu verhindern. Digitale Tools sollen Nachhaltigkeitsleistungen transparent machen und Compliance gewährleisten — die verspätete Antwort auf eine Industrie, die sich bisher selbst zertifizierte.

Doch trotz EU-Offenlegungsverordnung bleibt die tatsächliche Nachhaltigkeit vieler Fonds fraglich. Die Wirksamkeit grüner Investitionen im Kampf gegen den Klimawandel wird kritisch hinterfragt. Mittelabflüsse bei ESG-Fonds sind die logische Konsequenz, die Glaubwürdigkeit der gesamten Branche steht zur Disposition.

Unklar bleibt, wie viele ESG-Produkte tatsächlich über das BVI-Register laufen. Eine Frage, die niemand zu stellen wagt.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 1 von 3 Behauptungen belegt
  1. ZAHL 31 % der Unternehmen erhöhen ihre Nachhaltigkeitsausgaben, reduzieren aber die Kommunikation darüber

    im Quelltext gefunden

    vorgeschlagene Belegstelle verworfen, weil so nicht im Quelltext: „Laut aktuellen Studien geben<0xE2><0x80><0xAF>31<0xE2><0x80><0xAF>% der Unternehmen<0xE2><0x80><0xAF>an, ihre Nachhaltigkeitsausgaben erhöht zu haben, aber gleichzeitig die Kommunikation darüber zu reduzieren.“

  2. ZITAT NGOs und Aktivist:innen nutzen den Skandal, um auf die Risiken von 'Light-ESG-Produkten' hinzuweisen und fordern strengere Kontrollen

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  3. ZAHL Die Zahl der als nachhaltig deklarierten Fonds ist stark gestiegen, was zu Bedenken über 'Greenwashing' führt

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

5 Quellen · 1 davon belegt · 0 externe Belege · 3 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

Erwähnt in diesen Akten

Aus diesem Ressort