Menschliche Kontrolle. Ein Satz, der nichts kontrolliert
Sie bestellen wieder Stahl. Diesmal heißt er Code. 1937 war es Stahl. Heute sind es Algorithmen. Die Richtung ist dieselbe.
In Genf endete im November die Konferenz für reguläre Waffen. 28 Staaten wollen autonome Waffensysteme verbieten — Marokko, El Salvador, Österreich, der Heilige Stuhl. Lesen Sie die Liste: Der Süden führt. Deutschland gibt sich den Anschein, auf der richtigen Seite zu stehen, und schreibt gleichzeitig Konzeptpapiere, die „menschliche Kontrolle" so weit fassen, dass jede Drohne durchrutscht.
Das Verteidigungsministerium bestätigt: Schiffe dürfen nach menschlicher Freigabe selbstständig Raketen, Drohnen, Angriffsboote bekämpfen. Auch Unterdrückungsfeuer gegen feindliche Stellungen kann ohne weitere menschliche Interaktion erfolgen. Klingt vernünftig. Im Gefecht ist Vernunft das Erste, was stirbt.
Die Kill Chain — finden, fixieren, verfolgen, auswählen, angreifen, auswerten — wird durch KI komprimiert. Bei US-Angriffen auf den Iran, bei israelischen Schlägen auf Gaza, war der Mensch oft nur noch der Angriffsbefehl. Algorithmen begehen keine Kriegsverbrechen. Sie agieren nur wie eine Tretmine. Die ist geächtet. Eine KI ist es noch nicht. Ohne Gegenmaßnahmen wird das Realität.
In Deutschland arbeiten Helsing und andere an dieser Kompression. Koalitionsverträge, Asilomar-Richtlinien, Ethikbeiräte — alles Papier. Das Ministerium sagt: Die Bedeutung menschlicher Kontrolle hängt vom Einzelfall ab. Wer Verantwortung fest schreibt, schreibt sie auch fest.
Verantwortlich sind die Firmen. Palantir baut die Infrastruktur. Peter Thiel sitzt im Zentrum zwischen Konzern und US-Regierung. Die Software dient auch dazu, Whistleblower zu finden und WikiLeaks zu unterdrücken. Deutsche Dienstleister fühlen sich von US-Anbietern abhängig, schätzen das Risiko niedrig. Man weiß, dass man erpressbar ist, und nennt es Zusammenarbeit. Verantwortung erfordert Kooperation von Unternehmen, Wissenschaft und Politik. Davon wird geredet. Gebaut wird das Gegenteil.
Ich habe zwei Kriege gesehen. Die nächste Waffe läuft als Software-Update auf eine Drohne. Sie braucht keinen Soldaten. Nur einen Menschen, der das Update freigibt. Der sagt hinterher, er habe kontrolliert.
Wer schreibt den Haftbefehl, wenn die Maschine irrt? Niemand. Alle wissen es.
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