Drei Schienen, ein Spiel: Die Architektur des neuen Geldes
Es gibt Abende in Genf, an denen die Lichter über dem See so höflich glänzen, dass man vergessen könnte, was sich hinter den Fassaden abzeichnet. Die Zukunft grenzüberschreitender Zahlungen wird durch ein Netzwerk verschiedener Systeme geprägt sein, beeinflusst durch politische und technologische Faktoren — so liest man es in den Papieren, nüchtern, fast schon höflich. Wer genau hinsieht, erkennt: Die Sätze sind Tarnung. Die Entscheidungen sind längst gefallen.
SWIFT bleibt das dominierende Netzwerk für grenzüberschreitende Zahlungen, eine Genossenschaft belgischen Rechts, über 11.500 Institute in mehr als 200 Ländern, 45 bis 48 Millionen Nachrichten täglich. Doch genau diese Dominanz ist der Grund, warum SWIFT zunehmend geopolitischen Risiken ausgesetzt ist. Wer den Draht kontrolliert, kontrolliert die Sprache des Geldes.
Also baut man Schienen daneben. Russlands SPFS und Chinas CIPS sind Beispiele dafür, wie Länder alternative Infrastrukturen entwickeln, um die Abhängigkeit von westlichen Systemen zu verringern. SPFS, geboren nach der Krim, betrieben von der Bank of Russia, verbindet inzwischen über 580 Organisationen. Die geringen Teilnahmegebühren — weniger als zwei US-Cent pro Nachricht — und die Option, über Service-Büros zu verbinden, machen SPFS zu einer attraktiven Option für Institutionen, die nach kostengünstigen Alternativen zu SWIFT suchen. Die Möglichkeit, SWIFT-ähnliche Nachrichtenformate zu verwenden, erleichtert die Integration von SPFS in bestehende Finanzsysteme, was die Umgehung von Sanktionen erleichtern könnte. Das SPFS bietet eine alternative Infrastruktur für Finanznachrichten, die möglicherweise von Ländern genutzt wird, die den SWIFT-Netzwerkzugang eingeschränkt haben, wie zum Beispiel der Iran.
Man nennt es Kontingenz. Man nennt es Souveränität. Tatsächlich ist es ein Marktplatz der Umgehungen, sauber strukturiert, juristisch notariell beglaubigt von der Bank of Russia selbst: Foreign credit institutions are welcome.
Sicherheitspolitisch ist Deutschland in die transatlantische Architektur eingebunden, was zu Spannungen mit China führt. Die Strategie des De-Risking adressiert nicht klar, in welchen Sektoren Abhängigkeiten reduziert werden sollen, was die Notwendigkeit einer klaren strategischen Entscheidung unterstreicht. Unklar bleibt, wer diese Entscheidung trifft — und wer profitiert, wenn sie nicht getroffen wird.
Man trägt Handschuhe. Auch beim Schreiben.
❖ Ende des Artikels ❖
