Die Staffelei als Schlachtfeld
In den Vororten der Stadt, dort wo die Bungalows hinter Hibiskushecken verschwinden und das Hauspersonal noch mit weißem Häubchen die Tür öffnet, wird eine neue Industrie aus der Taufe gehoben. Man nennt sie Kunstförderung. Sie trägt den Charme einer Fabrik.
Die Programm-Anbieter, die noch vor drei Jahren um ihr Auskommen bangten, sehen eine Nachfrage, die um bis zu fünfzig Prozent gestiegen ist. Die Eltern, diese unermüdlichen Architekten der Zukunft ihrer Kinder, haben die Direct School Admission — jenen eleganteren Namen für die Schleuse, durch die der Nachwuchs in die renommiertesten weiterführenden Schulen gespült wird — als das erkannt, was sie tatsächlich ist: ein Markt. Wer hier investiert, so die unausgesprochene Doktrin, investiert in ein Stück Blech, das sich später in einen vergoldeten Lebenslauf verwandelt.
Nun aber, da das Geschäft brummt, erheben dieselben Anbieter ihre Stimme. Sie warnen. Sie, die Händler der Träume, sprechen von Erschöpfung. Sie sprechen davon, dass die Leidenschaft der Jugendlichen, jenes zarte Flackern, das man einst Inspiration nannte, zu brennen beginnt — nicht mehr warm und werbend, sondern heiß und verzehrend. Elterndruck, so sagen sie, könne das Feuer in Asche verwandeln.
Eine bemerkenswerte Anklage, vorgetragen von denjenigen, die das Feuer entfachen. Man stelle sich einen Waffenhändler vor, der mit bebender Stimme bekundet, dass seine Gewehre gelegentlich traurige Gesichter hinterlassen. Man stelle sich einen Branntweinausschank vor, der die Gefahren des Alkohols auf sein eigenes Schild schreibt.
Doch die Anklage hat Methode. Wer früh warnt, der bleibt makellos, wenn die Kinder später zusammenbrechen. Wer heute — in diesem September — seine Bedenken zu Protokoll gibt, hat für die Akten dokumentiert, dass er Bedenken hatte. Man heftet es ab. Man wäscht die Hände. Und das Geschäft geht weiter.
Draußen, in den Studios von Bukit Timah und Tampines, sitzen Zwölfjährige mit Ringen unter den Augen und zeichnen Perspektiven, die sie nicht verstehen, für Juroren, die sie nicht kennen. Die Staffelei wird zum Schafott. Der Tuschkasten zum Operationssaal. Die Eltern stehen hinter der Tür und warten auf das Ergebnis wie Aktionäre auf den Quartalsbericht.
Wer profitiert? Die Anbieter, die ihre Kurse füllen. Wer schweigt? Die Eltern, die das System nicht in Frage stellen, weil sie es am Laufen halten. Was trägt es? Eine Gesellschaft, die die Aufnahme in angesehene Schulen für das höchste Gut hält — und den Preis dafür von den Schwächsten kassiert.
Die Anbieter warnen. Die Eltern hören nicht zu. Die Kinder zahlen.
So funktioniert das Spiel. Es hat immer so funktioniert. Nur die Kostüme wechseln, und die Staffelei, die war früher einmal eine Staffelei und ist heute eine Fahrkarte.
❖ Ende des Artikels ❖
