Moskau schweigt. Das Reagenzglas lügt nicht
1937. Jemand bestellt Stahl. Das bedeutet immer dasselbe. Heute bestellt jemand Viren. Sicht schlechter, Gefahr dieselbe.
Die Diskussion um Biotech-Missbrauch fegt durch die Hauptstädte wie einst die Aufrüstung der dreißiger Jahre — nur trägt sie keinen Stahlhelm, sondern weißen Laborkittel. Verstärkte internationale Überwachung wird gefordert. Worte wie damals.
Moskau verweigert den UNO-Bericht über Biotech-Missbrauch. Kein diplomatischer Höflichkeitsschaden — eine Aussage. Wer sich weigert, vor dem UN-Pult Rede und Antwort zu stehen, hat etwas zu verbergen. Russland zeigt Missachtung internationaler Abkommen zur Biowaffenkonvention. Die Konvention wird zur Fassade. Die geopolitischen Spannungen wachsen.
Neben ihr steht die Chemiewaffenkonvention, 193 Staaten, OPCW in Den Haag. Nowitschok wurde 2019 auf die Verbotsliste gesetzt. Die Konvention darf inspizieren — aber nicht hineinsehen, wenn eine Regierung die Tür zuschlägt.
In Belarus sollen Aerosol-Waffen getestet worden sein. Ausbringung. Verbreitung. Lehrbuch-Variante. Fragen zur Einhaltung internationaler Abkommen und zur regionalen Sicherheit stehen im Raum.
In Washington sitzt Dr. John Nkengasong an der Spitze eines Außenministeriums-Programms für biologische Sicherheit. Ein Gesundheitsexperte im State Department, nicht im Gesundheitsministerium. Ungewöhnlich. Außenministerien führen Kriege, keine Seuchenbekämpfung. Hier wird Gesundheit zur Geopolitik.
Die US-Regierung soll — russische Quelle, wohlgemerkt — Informationen über gefährliche Forschungen in ukrainischen Biolaboren zurückgehalten haben. Was nicht reinkommt, sagt mehr als das, was reinkommt.
Wer profitiert, wenn das Reagenzglas geöffnet wird? Welche Struktur trägt es? Unklar bleibt, wer die Fäden zieht — aber das Schweigen verteilt sich erstaunlich gleichmäßig.
Ich bin Hagen. Und ich rieche es wieder.
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