Chinas Kette, geschmiedet in Brüssel
Die Zahlen sind unerbittlich, und sie lügen nicht einmal besonders gut. Die chinesische Exportwirtschaft ist auf die EU als Markt angewiesen — das ist keine Meinung, das ist eine Bilanzposition. Und jetzt, wo die Bundesregierung erwägt, diese Abhängigkeit als Waffe zu nutzen, werden in Peking einige sehr alte Männer sehr nervös.
Die Logik ist so einfach, dass sie schon wieder nach Hochverrat riecht. Europa hat Chip-Ausrüstung, die China nicht ersetzen kann. Europa hat einen Konsummarkt, den die chinesische Exportmaschine braucht wie der Süchtige die Nadel. Und Kanzler Merz sinniert laut über die unterbewertete chinesische Währung, die einen „guten Teil des chinesischen Exporterfolgs ausmacht" — Druck zur Aufwertung inklusive. Man nennt das Geooekonomie. Früher nannte man es Krieg.
Währenddessen liefern einheimische Werften Chinas Autoherstellern eine neue Generation von Frachtern, die in immer höherer Zahl günstige E-Autos in die EU karren. Parallel fällt der gemeinsame Marktanteil aller ausländischen Autohersteller in China unter ein Drittel. 2020 waren es noch zwei Drittel, allein VW hielt ein Fünftel. Jetzt sind es etwas über zehn Prozent. Mercedes ertrinkt. Die Asymmetrie ist kein Zufall — sie ist die Visitenkarte einer Strategie.
Was bleibt Peking, wenn Europa den Hahn zudreht? Sie bauen sich längst ein zweites Finanzgerüst. Das russische SPFS wird mit dem chinesischen CIPS verbunden, der Iran ist der Eurasischen Wirtschaftsunion beigetreten und zeigt Interesse an dieser neuen Infrastruktur. Man braucht kein Genie, um zu sehen, wer hier wem die Hand reicht — und wer damit rechnet, dass Dollar und SWIFT nicht mehr für jeden verfügbar sind.
Auch die eingefrorenen russischen Vermögenswerte stehen auf dem Tisch: als Hebel für die Ukraine, als Signal an jeden, der glaubt, mit Sanktionen lasse sich Politik machen. Die Kette, die China um den Hals trägt, hat ein Pendant: die Kette, die Russland trägt. Beide werden in denselben Schmieden geschmiedet.
Offen bleibt, wer in Berlin tatsächlich den Hebel zieht — und wer nur zusieht, wie die nächste Runde eingeläutet wird.
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