Arcadia, Coca-Cola und die leere Souveränität
Man muss den Männern in Brüssel nicht misstrauen, wenn sie Souveränität beschwören — man muss zuhören, wenn sie schweigen. Deutschland und Frankreich haben das ›europäische souveräne digitale Rückgrat‹ angekündigt, Arcadia als Basis für datenzentrierte Sicherheit, künstliche Intelligenz, Cloud. Klingt nach Festung. Riecht nach Papier.
Der Gegner heißt Palantir. Das Unternehmen hat seine Software in jene Bereiche gefräst, die kein Innenminister mehr verteidigen kann: Polizei, Geheimdienste, Verteidigung, Gesundheit. Philippe Latombe nennt es Zucker in Coca-Cola — süchtig machend, unsichtbar, allgegenwärtig. Wer einmal trank, kommt schwer los.
Wer profitiert? ChapsVision, das französische Unternehmen, das den Zuschlag der DGSI erhielt. Olivier Dellenbach spricht von einer ›viszeralen Ablehnung‹ Palantirs, warnt aber: Ohne öffentliche Aufträge bleibt Souveränität ein leeres Wort. Madrid schließt Palantir aus Vergaben aus. Belgien, Luxemburg, Rumänien, die Niederlande, Kanada und Deutschland zeigen Interesse an Artemis, der KI von Thales. Patrick Moreau bringt es auf den Punkt: Man will eine souveräne Lösung, NATO-kompatibel. Anders als Palantirs Blackbox.
Alex Karp lächelt bei Fox Business. ›Es gibt ein Beispiel für das, was nicht funktioniert. Es heißt Europa.‹ Der Satz sitzt. Er ist Drohung. Palantirs Algorithmen sind über Jahre gereift, an Hunderten Kunden geschliffen. Diese Reife importiert kein Ministerbeschluss.
In Berlin zerreibt sich die Bundesregierung an der Palantir-Frage. In Großbritannien steht im Februar 2027 die Entscheidung über den 330-Millionen-Pfund-Vertrag mit dem NHS an. Kein Souveränitätsakt. Ein Stichtag.
Was bleibt? Ein Projekt ohne Zeitplan, ohne Budget, ohne Architektur. Ein Anbieter, der bereits in den Adern der Verwaltung sitzt. Wer Arcadia baut, baut gegen den Zucker. Nicht ob Europa das will — wer dafür bezahlt. Und wann.
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