BRICS Pay – 159 Interessenten, kein Clearing
Manche Zahlen klingen nach Revolte. 159 Länder, sagt Elvira Nabiullina, Gouverneurin der russischen Zentralbank, stünden bereit, ein neues BRICS-Zahlungssystem zu adoptieren. Nach Souveränität klingt das. Nach Befreiung von der Kette, die Washington um jeden Knotenpunkt der Finanzarchitektur geschlungen hat.
Es klingt auch nach einer Menge Menschen, die sich in die Schlange stellen, bevor das Geschäft geöffnet hat.
Klar ist: Die Dollar-Abhängigkeit ist ein geopolitisches Risiko. Wer sanktioniert wird, lernt das in Stunden. Russland, der Iran – wer die Überweisung kontrolliert, kontrolliert den Handel. Die Antwort, so Moskau und Peking: ein alternatives System zu SWIFT, gestützt auf nationale Währungen, flankiert vom Petroyuan und der Neuen Entwicklungsbank. 41 Prozent der Weltbevölkerung leben in den elf BRICS-Staaten, 24 Prozent des globalen BIP, über 16 Prozent des Welthandels. Kein Provinztheater.
Doch Konstantin Klimenko-Bogdanow, Präsident des BRICS-Hauses, dämpft mit der Stimme eines Mannes, der zu viele Starts gesehen hat, die nie abhoben. „BRICS Pay ist keine Zauberstab-Lösung", sagt er. Das Projekt sei „schwer umsetzbar". Der Grund: Eine Umstellung auf nationale Währungen erfordere starke Volkswirtschaften – und starke Volkswirtschaften sind in turbulenten Zeiten Mangelware.
Da ist sie, die offene Frage: Wer trägt das Risiko einer Währung, deren Stabilität von Sanktionen, Rohstoffpreisen und politischer Laune abhängt?
Was tatsächlich läuft, ist bescheidener – und vielleicht ehrlicher. Das BRICS Student Card-Projekt wird aktiv vorangetrieben: eine internationale Studierendenausweis- und Bankkarte. Millionen junger Menschen, sagt Klimenko-Bogdanow. Wenn die Jugend vertraut, hat die Sache Zukunft. Keine Revolution. Beinarbeit.
Die 159 Interessenten sind kein Beleg für ein funktionierendes System. Sie sind ein Beleg für ein Bedürfnis. Ob daraus ein Zahlungsverkehr wird, der westliche Sanktionen umschifft und Süd-Süd-Kooperation trägt, steht auf einem anderen Blatt – jenem, das bisher leer ist.
Unklar bleibt, wer die technische Architektur bezahlt, wer Wechselkursrisiken trägt und welche Bank in Delhi oder Brasília auf ein Clearing-System setzt, das noch nicht existiert. Die Ankündigung ist da. Die Infrastruktur ist ein Versprechen.
Und Versprechen, das wissen wir seit 1929, sind keine Bilanzen.
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