Sechs Monate Atempause — wer zahlt die Rechnung?
Die Pfeife glimmt. Auf dem Schreibtisch liegen Bilanzen, die sauber aussehen — und genau das macht misstrauisch.
Am 27. März 2020 verfügte die Reserve Bank of India ein Zahlungsmoratorium für alle laufenden Kredite. Drei Monate zunächst, dann, als der Lockdown sich dehnte und die wirtschaftlichen Störungen nicht enden wollten, weitere drei bis zum 31. August. Sechs Monate Atempause für eine Wirtschaft, die unter dem Verschluss erstickte. Für Häuslebauer, Selbständige, Unternehmen jeder Größenordnung. Das Moratorium schützte offiziell die Kreditwürdigkeit — kein Eintrag bei CIBIL, keine Einstufung als Non-Performing Asset. Das Kapital blieb frei für dringendere Bedürfnisse.
Die offizielle Lesart. Sie stimmt im technischen Sinne. Und genau das ist das Problem.
Denn die Zahlen, die kein Kommentar nennt, erzählen eine zweite Geschichte. Bei der State Bank of India nutzten 23 Prozent der Kreditnehmer die erste Pause, bei der Bank of Baroda 65 Prozent, bei Yes Bank 43 Prozent. In der zweiten Phase sanken die Quoten — trotz neuer Antragsteller. Wer zahlen konnte, zahlte wieder. Wer nicht, blieb. Und die Banken buchten still mit.
Die kurzfristige Erleichterung ist zweifellos positiv. Aber die Bilanzierung verschiebt sich nur nach hinten. Zins auf Zins für aufgeschobene Raten — geschätzt rund 20.000 Crore Rupien — wartet auf Klärung. Die Regierung schweigt.
Während die CIBIL-Akte sauber bleibt, schärfen die Banken ihre internen Listen. Wer das Moratorium nutzte, gilt künftig als risikobehaftet. Drei bis zwölf Monate werden Geschäftskredite, Privatkredite, Home-Loan-Top-ups schwerer zu bekommen sein. Die Logik ist nüchtern: Wer zwei Monate Stillstand nicht tragen konnte, bekommt kein langfristiges Darlehen.
Es gibt Auswege. Die ECLGS und die Umstrukturierung der Zahlungsstruktur. Beide verschieben die Last — nur verteilter, mit längerer Laufzeit, anderen Zinsen.
Die positiven Wirkungen sind dokumentiert. Die negativen stehen noch in den Bilanzen, die niemand öffnen will.
Bleibt die Frage: Wer hat das Moratorium wirklich bezahlt — die Banken, die ihre Risiken schützten, die Schuldner, die später zahlen, oder ein Kreditgedächtnis, das künftig kürzer und kälter wird?
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