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4. Oktober 2026

Dossier · Politik & Macht

Die Handschuhe über der Tastatur

4. Oktober 2026 — — Kastner

Brüssel hat sich Handschuhe angezogen. Weiße, vermutlich. Es sind eigenartige Handschuhe, in denen man Verträge unterschreibt und Drohungen ausspricht — fein, parfümiert, und doch dazu gemacht, etwas zu umklammern, das man nicht benennen will.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Der Digital Markets Act ist unterschrieben. Erhebliche Sanktionen, einschließlich der Möglichkeit der Zerschlagung von Unternehmen, sollen die Einhaltung der neuen Regeln sicherstellen. So steht es im Gesetz. Andreas Schwab, CDU, nannte es »eine neue Ära der Tech-Regulierung«. Wann immer ein Mann in Brüssel das Wort »Ära« benutzt, lohnt es sich, die Hände zu betrachten. René Repasi, SPD, sprach von einem Gamechanger. Schmerzhafte Sanktionen. Zerschlagung. Verbot von Übernahmen. Man schreibt das so hin, als kostete es nichts.

Der Gesetzestext schafft Mechanismen, um die Dominanz von Gatekeepern wie Google und Facebook zu begrenzen. »Gatekeeper« — ein Wort wie aus einem Kinderbuch über Burgen, während in Wahrheit Männer in Hoodies in Menlo Park entscheiden, was zwei Milliarden Menschen morgens auf ihren Bildschirmen sehen. Die EU plant den Digital Fairness Act gegen Dark Patterns, diese höflichen Manipulationen, die uns glauben machen, wir hätten frei gewählt.

Die Tech-Firmen begrüßen die EU-Präsenz, heißt es. Europa nimmt eine führende Rolle in der globalen Regulierung ein. Das klingt, als würde der Fuchs die Hühnerfarm begrüßen, weil sie endlich einen ordentlichen Zaun hat. 83 Prozent der Lobbygespräche zum DFA fanden mit der Digitalindustrie statt. NGOs kamen auf weniger als 14 Prozent. Meta und Google finanzieren über das Consumer Choice Center Europe Lobbyarbeit gegen den Verbraucherschutz. Die Handschuhe der Beamten werden weißer. Die Hände, die sie tragen, immer stiller.

Die EU verstärkt ihre Präsenz im Silicon Valley, um ihre Regulierungspolitik zu kommunizieren und Beziehungen zu Tech-Firmen aufzubauen. Eine diplomatische Liaison in Kalifornien, ein Lächeln hier, eine Visitenkarte dort. Die Kommission betont, dass die Regulierungen unabhängig von politischen Veränderungen in den USA durchgesetzt werden. Unabhängig. Es gibt Befürchtungen, dass politische Einflüsse die Durchsetzung gegenüber großen Tech-Firmen beeinträchtigen könnten. Diese Befürchtungen sind, wie alle Befürchtungen in Brüssel, höflich formuliert und niemals anklagend.

Trotz der Lobbybemühungen der Tech-Industrie gibt es eine breite öffentliche Unterstützung für strengere Regulierungen, was die EU-Kommission in ihrem Vorhaben bestärkt. Das ist die Wahrheit, die am lautesten klingt und am wenigsten wiegt. Öffentliche Unterstützung misst man in Umfragen. Enforcement misst man in zerschlagenen Konzernen. Bisher wurde keiner zerschlagen. Die Handschuhe liegen bereit. Man wartet auf die richtige Geste.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 3 von 5 Behauptungen belegt
  1. ZITAT Palantir-Skandal: EU-Kommission verhängt Rekordstrafe für Datenhoarding

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  2. ZITAT Erhebliche Sanktionen, einschließlich der Möglichkeit der Zerschlagung von Unternehmen, sollen die Einhaltung der neuen Regeln sicherstellen

    „Mit dem Gesetz seien schmerzhafte Sanktionen möglich – etwa die Zerschlagung von Großunternehmen und ein Verbot von Übernahmen.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  3. ZITAT Der Gesetzestext schafft Mechanismen, um die Dominanz von Gatekeepern wie Google und Facebook zu begrenzen

    „das die Marktmacht der Internetriesen einhegen und für faireren Wettbewerb sorgen soll.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  4. ZITAT Die EU-Kommission plant den Digital Fairness Act, um Lücken im digitalen Verbraucherschutz zu schließen, insbesondere im Bereich der Dark Patterns

    „Mit dem geplanten Gesetz soll es gelingen, etwaige Regelungslücken zu schließen.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  5. ZITAT Die Tech-Firmen begrüßen die EU-Präsenz, da Europa eine führende Rolle in der globalen Regulierung einnimmt

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

5 Quellen · 3 davon belegt · 0 externe Belege · 5 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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