Börse
Terminal Tribune

4. Oktober 2026

Dossier · Energie & Klima

Gas für die, die es bezahlen. Die anderen frieren

4. Oktober 2026 — — Hollis

Die Zahlen lügen nicht. Aber wer sie liest, schweigt. In Brüssel sitzen Männer, die entscheiden, wo der Hahn aufgeht und wo er zugedreht wird. Sie reden von Diversifizierung. Sie meinen Kontrolle. Sie reden von Übergangslösung. Sie meinen dreißig Jahre Knebelvertrag.

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Die EU-Kommission subventioniert LNG-Terminals. Das ist kein Zufall, das ist Architektur. Wer einmal eine Pipeline baut, der baut sie nicht mehr ab. Jeder Terminal, der mit Steuergeld hochgezogen wird, ist ein Anker für die nächste Generation fossiler Abhängigkeit. Flüssiggas aus Texas und Katar ersetzt Gas aus Sibirien. Der Hahn steht woanders. Die Kette bleibt.

Wer profitiert? Die Konzerne, die das Gas verflüssigen, verschiffen und wieder verdampfen. Wer zahlt? Der Rentner in Leipzig, der im Winter die Heizung herunterdreht. Wer schweigt? Die Aufsicht, die sich Übergangslösung nennt und meint, dass noch in den Siebzigern Fracking-Schiffe in deutsche Häfen einlaufen werden.

Die EU hat ihre Abhängigkeit von russischem Gas reduziert. Gut. Sie hat neue Abhängigkeiten geschaffen. Schlecht. US-LNG ist teuer, klimaschädlich und politisch erpressbar. Washington dreht am Preis, Katar dreht am Volumen. Dazwischen steht ein Markt, der nicht funktioniert, weil er nicht funktionieren soll. Er soll Dividenden abwerfen.

Unklar bleibt, wer in den Aufsichtsräten der Terminal-Betreiber sitzt. Unklar bleibt, welche Berater die Subventionslisten schreiben. Was klar ist: Eine Lösung, die den Namen Nachhaltigkeit verdient, sieht anders aus. Beschleunigte Dekarbonisierung. Energieeffizienz. Öffentliche Hand statt Aktionärsversammlung.

Solange der Markt dem Profit dient und nicht den Menschen, bleibt Energiearmut kein Schicksal. Sie ist Design.

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