Pandoras Kiste: Wenn die Ernte zur Waffe wird
Die Pfeife glüht. Das Laboratorium ist kalt, der Tabak von 1937. Ich notiere: Die Debatte um das Programm spiegelt breitere Bedenken hinsichtlich der Dual-Use-Natur biotechnologischer Forschung wider. Das ist die höfliche Formulierung. Die unbequeme lautet: Wer zahlt, wer schweigt, wer lächelt.
DARPA, die Forschungsabteilung des Pentagon, nennt das Projekt „Insect Allies" — Insekten als Verbündete. Hübsch klingt das. Soldaten mit Flügeln. In Wahrheit geht es um genetisch veränderte Viren, getragen von Insekten, eingesetzt gegen Ernteverluste in landwirtschaftlichen Notlagen. Mais, Weizen, Dürre. Klingt nach Rettung. Kritiker nennen es, etwas weniger höflich, eine „leicht bewaffnungsfähige" Technologie. Eine „Pandoras Büchse", schrieb das Fachjournal Science. Blake Bextine, zuständiger Programm-Manager, versicherte der Washington Post: friedliche Zwecke, mehrfache Sicherheitsvorkehrungen, vollständige Eingrenzung. Ich höre diese Sätze seit dreißig Jahren. Sie altern schlecht.
Nun die Dokumente. Dieselben Akteure, die später im Zentrum der Covid-19-Debatte stehen: Peter Daszak von der EcoHealth Alliance und Dr. Shi Zhengli, die „Fledermausfrau" aus Wuhan. Beide tauchen in Anträgen auf, die DARPA — und das ist bemerkenswert — als zu gefährlich ablehnte. Gain-of-function-Forschung. Viren genetisch so verändern, dass sie menschliche Zellen leichter infizieren. Achtzehn Monate vor dem Ausbruch. Hautdurchdringende Nanopartikel, chimäre Spike-Proteine. Wer profitiert? Die Fördergelder flossen nicht. Wer verschweigt? Die Dokumente wurden erst über Umwege öffentlich, bestätigt von ehemaligen US-Regierungsbeamten. Welche Struktur trägt es? Eine, in der dieselben Namen Anträge stellen und später die Debatte über Laborursprünge zu unterbinden versuchen.
Und dann Moderna. Fünf Milliarden Dollar Bewertung. Keine veröffentlichten Daten. Eine Kultur der Geheimhaltung, die so weit geht, dass Bewerber Verschwiegenheitserklärungen unterschreiben, bevor sie das Gebäude betreten. Der Chef Stéphane Bancel baute ein Imperium auf dem Versprechen revolutionärer Medikamente — und lenkte das Unternehmen, so zeigen es die Berichte, auf das bescheidenere Feld der Impfstoffe um. Weniger ehrgeizig. Weniger riskant. Auch weniger transformativ. Wer profitiert von der Bewertung? Die Investoren, die früh genug drin waren. Welche Daten fehlen? Alle entscheidenden.
Der Kongress betont derweil die Bedeutung ethischer Überlegungen und zukünftiger Möglichkeiten im Genom-Engineering und der funktionalen Genomik. Ethik als Schlusswort. Die Pfeife ist aus.
Unklar bleibt, wer in den Laborors zwischen Antrag und Ablehnung entschied, welche Schwelle die Forschung überschritten hatte — und warum die laute Verteidigung der friedlichen Absichten erst kam, nachdem die Fragen nicht mehr verstummen wollten.
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