NULL GEBOTE, VOLLE KARTEN
Die Bundesnetzagentur hat ausgeschrieben. Zwei Nordsee-Standorte, 2,5 Gigawatt. Das Ergebnis: kein Gebot. Kein einziges. Null.
Kein Zufall. Quittung für ein System, das sich selbst gefressen hat.
2017, 2018 feierten die Ministerien die ersten Null-Subventions-Runden wie Pokerspieler mit dem Geld anderer. RWE, EDF, Iberdrola, Northland Power drückten die Preise — weil das Spiel nichts kostete. Gebote waren Optionen, keine Pflichten. Wer verlor, schulterte nichts.
Dann drehte die Regulierung an den Schrauben. Höhere Gebotsbürgschaften. Strengere Lieferfristen. Schärfere Strafen bei Nichtlieferung. Plötzlich war die Wette bares Geld. Plötzlich war die Hand leer.
Noch schmutziger: die Step-in-Rechte. Bei zwei von drei Standorten durften die ursprünglichen Entwickler den Auktionsgewinner einfach verdrängen. Wer bietet da fair mit gegen einen Gegner, der gar nicht bieten muss, sondern wartet, bis der Sieger dasteht — und ihn dann rausschmeißt?
TotalEnergies gewann die erste Auktion dieses Jahres. Die zweite, ohne Subvention, lockte niemanden mehr. Die Zahlen lügen nicht: 9,2 Gigawatt stehen heute, 30 sollen es 2030 sein, 70 bis 2045. 2024 wurden 0,7 Gigawatt zugebaut. Jede leere Runde frisst die Lücke weiter auf.
Jetzt, wo die Kasse leer ist, kommen die Forderungen. Zweiseitige Differenzverträge, langfristige Stromabnahmeverträge. Plötzlich ist der freie Markt ein Sicherheitsnetz — sobald der Profit nicht mehr fließt.
Kanada schaut zu. Soll genau hinsehen. Hohe Bau- und Wartungskosten, Netzanbindung, Speicher — keine Nebensachen, sondern Fundament. Ohne langfristige Absicherung wird auch dort die Auktion leer bleiben.
Die Bundesregierung spricht von Weckruf. Sie weiß, wer die Karten hält. Und sie weiß: Die nächste Runde läuft nur, wenn das Spiel neu gemischt wird. Wer sitzt am Tisch? Die, die immer dort saßen.
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