Rohre, Rubel, Kurden: Das Gas, das Moskau spaltet
Auf den Ölfeldern lernst du schnell: Der Hahn wird nie dort aufgedreht, wo das Geld fließt. Er wird dort aufgedreht, wo einer sich traut. Und 2017 traut sich jemand.
Rosneft, der zweitgrößte Ölkonzern Russlands, sitzt in Kurdistan. Sie finanzieren eine Gasleitung, die 2020 stehen soll. Dreißig Milliarden Kubikmeter im Jahr. Von den Kurden in die Türkei, weiter nach Europa. Eine Pipeline, fast so dick wie Turkish Stream, fast zeitgleich mit Gazproms Prestigeprojekt.
Ich sag dir, was das bedeutet: Der russische Bär beißt sich selbst ins Bein.
Rosneft will nach Europa exportieren. In Russland darf er das nicht — Gazprom hat das Monopol. Also geht Rosneft über die Außengrenze, über die Kurden. Gazprom schaut zu, wie der eigene Bruder die Kundschaft abspenstig macht. Pikin vom Energy Development Fund sagt es offen. Yushkow nennt es einen Schlag gegen die eigenen Exporte. Krutikhin von RusEnergy sagt klar: Diese Pipeline ist ein Rivale für Gazprom.
Wer profitiert? Die Kurden. 3,7 Billionen Kubikmeter Gas. Genel Energy, britisch-türkisch, pumpt schon. Miran, Bina Bawi — Reserven für Jahrzehnte. Die Türkei braucht das Gas nicht, sagt Krutikhin. Der Eigenverbrauch stagniert. Aserbaidschan liefert, Iran verhandelt, Israel ist im Spiel. Turkish Stream, Blue Stream, Trans-Balkan — das Netz ist voll. Sogar türkische Tanker werden genutzt, um russische Energie am Radar vorbei zu schieben.
Aber die Türkei spielt ein doppeltes Spiel. NATO-Mitglied, und sie weigert sich, die Sanktionen mitzutragen. Aus Prinzip, sagen sie. Aus blanker Notwendigkeit, sage ich. Der Rubel-Tourist füllt die Hotels, die Energie füllt die Heizungen, der Handel lag 2019 bei 26,3 Milliarden Dollar. Die Lira ist halbiert. Da schmeißt du niemanden raus, der Devisen bringt.
Und dann die Mir-Karten. Das russische Zahlungssystem, das die Sanktionen umgeht. Isbank, Ziraat, Vakifbank akzeptieren es. Fünfzehn Prozent der Transaktionen laufen darüber. Die Ukraine bittet um Stopp — die Türkei ignoriert es. Tausende Russen sind seit Februar dort, bar, ohne westliche Karten, aber mit Mir.
Was ich nicht beweisen kann, aber rieche: Lieferketten werden manipuliert. Gas als Waffe, Mir als Schlupfloch, Tourismus als Druckmittel. Die EU-Sanktionen sollen Gazprom treffen — aber Rosneft schlüpft durch die Hintertür, und die Türkei hält sie auf.
Unklar bleibt, wer in Ankara die Fäden zieht. Ich sage: alle gleichzeitig, und keiner traut dem anderen. Energie ist nie nur ein Rohr. Sie ist ein Spielfeld, und die Arbeiter sehen nur den Dreck.
Ich trink mein Bier dazu. Aus Prinzip.
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