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Terminal Tribune

6. Oktober 2026

Dossier · Rüstung & Sicherheit

DIE LEITUNG UND IHRE LÜGEN

6. Oktober 2026 — — Hagen, Oberstleutnant a.D.

Die Pipeline ist eine Pulsfaser. Zieht jemand daran, zuckt halb Europa.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Schauen wir hin. Russland fördert Gas aus Feldern, die älter sind als die Planwirtschaft, die sie einst erschloss. Die großen Lager erschöpfen sich. Investitionen in neue Felder? Fehlanzeige. Gazproms Kapital fließt in eine Richtung: nach Westen. In Exportinfrastruktur. In Röhren, die nach Europa führen.

Erste Spur.

Zweite Spur: Wer sich nur auf Export konzentriert, hat keine Drittlandzugänge. Russland kann sein Gas nirgendwo anders hin verkaufen als über Leitungen, die in die EU führen. Das macht Moskau verwundbar. Und es macht Brüssel zum Schiedsrichter.

Dritte Spur: LNG. Flüssigerdgas aus Russland erreicht die Weltmärkte nur über EU-Terminals. Das Transshipment-Verbot ist der Anfang. Ein vollständiges Importverbot würde Russland die finanzielle Unterstützung für seinen Krieg abdrehen.

Wer profitiert vom Stillstand? Nicht Deutschland. Nicht Polen. Beide haben sich verpflichtet, Pipeline-Importe von russischem Öl bis Ende 2022 einzustellen. Die Kosten tragen die Verbraucher.

Wer verschweigt etwas? Gazprom verschweigt, dass seine Reserven sinken. Brüssel verschweigt, wie schwer sich die Mitgliedstaaten auf gemeinsame Maßnahmen einigen — obwohl die Sanktionen Teil eines umfassenden Pakets sind, das die Finanzierung des russischen Krieges unterbinden soll.

Die Struktur: Ein Lieferant, der seine eigenen Quellen aufbraucht, um den Käufer abhängig zu machen. Ein Käufer, der die Abhängigkeit kennt, aber nicht einheitlich handelt. Ein Krieg, der finanziert wird, solange Gas fließt.

Offen bleibt, wer in den EU-Hauptstädten das vollständige LNG-Verbot blockiert — und welche Verträge es schützen.

Pulsfaser. Schneidet jemand, bluten beide Seiten. Die Frage ist nur, wer zuerst.

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