Tunnel, Drohnen, Desinformation — eine Operationslinie
Lesen Sie mit. Ich rechne es Ihnen vor.
Zwölf Tunnel. Litauen hat sie zwischen April und August an seiner Ostgrenze zu Belarus gezählt. Lettland meldet das gleiche, Polen ebenso. Zwölf unterirdische Röhren, gegraben mit Plan, Personal und Material. Wer so etwas in fünf Monaten stemmt, will nicht helfen — er will die Außengrenze der Europäischen Union porös machen, Behörden binden, das Narrativ füttern. Litauen baut einen Zaun, Lettland startet die „Operation Werwolf". Beide beobachten besorgniserregende Entwicklungen. Zu Recht.
Die EU reagiert. Frontex wird eingebunden. Bodenradargeräte werden getestet, Spezialausrüstung zur Ortung unterirdischer Hohlräume beschafft. Litauen legt einen Maßnahmenplan vor, arbeitet mit privaten Organisationen zusammen. Das ist notwendig. Aber es ist Reaktion, nicht Initiative. Man spielt Verteidigung gegen eine Strategie, die bereits in der dritten Phase läuft.
Parallel läuft die zweite Front. Russland verbreitet Desinformation über die Nutzung des baltischen Luftraums für ukrainische Angriffe. Ukrainische Drohnen sollen in den Luftraum der baltischen Staaten eingedrungen sein. Riga, Vilnius und Tallinn bestreiten das. Protestnoten gehen nach Moskau. Politiker treten zurück. Die Verwirrung bleibt hängen, der Schaden ebenfalls.
Das ist kein Nebenkriegsschauplatz. Das ist eine Operationslinie. Gezielte, bewusste, systematische Desinformation — so die Definition. Halbwahrheiten, gestreut in Astroturfing-Netzwerken, mit EU-Bezügen, die das Narrativ hoffähig machen sollen. Die geopolitische Dimension liegt auf der Hand: Was die Sicherheit des Baltikums untergräbt, untergräbt die Sicherheit der gesamten Union. Migration, Drohnen, Lügen — drei Werkzeuge, eine Handschrift.
Minsk gräbt physisch. Moskau gräbt informationell. Brüssel gräbt im Aktenberg. Und die baltischen Staaten zahlen den Preis — mit Personal, mit Polittrust, mit Rücktritten.
Offen bleibt, wer die Knotenpunkte der Astroturfing-Netzwerke innerhalb der EU bezahlt, koordiniert, füttert. Das ist die Frage, die kein Maßnahmenplan beantwortet.
Ich habe Schlachtpläne gelesen, die harmloser aussahen.
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