DREIHUNDERt MILLIONEN, KEINER SIEHT SIE
Berlin. Öffentliche Anhörung. Oktober 2025. Die Zahlen fallen wie ein Gefechtslagebericht: dreistelliger Millionenbetrag, jährlich. Florian Köbler von der Deutschen Steuergewerkschaft beziffert den Steuerausfall bei Krypto-Werten so. Das ist kein Tippfehler. Das ist ein Loch in der Kasse, durch das jeder gehen kann, der weiß, wo es ist.
Wer profitiert? Wir fragen das, weil es niemand fragt. 67 OECD-Länder haben das Crypto-Asset Reporting Framework unterzeichnet. Über 100 nicht. Dort, wo die Transparenz endet, beginnt das Geschäft. Wer 500 zusätzliche Stellen in spezialisierten Einheiten nicht besetzt, gewinnt Zeit. Wer die IT-Modernisierung verschleppt, hält das System blind. Wer 2.000 Mitarbeiter nicht zu Krypto-Spezialisten ausbildet, lässt die Front unbewacht.
Der Entwurf freilich, so Matthias Steger vom Institut für Digitalisierung im Steuerrecht, trifft vor allem die Kleinen. Keine Ausnahmen. Keine Bagatellgrenzen. Keine Sandbox-Ansätze. Großbanken und Start-ups unter demselben Meldepflichten-Regime — „ohne Rücksicht auf Ressourcen und Risikoprofil." Feldwebel und Gefreiter mit derselben Marschordre. Wer das schreibt, plant Kollateralschaden ein.
Internationale Kooperation, sagen alle. Jörg Bibow nennt sie „absolut erforderlich." Aber eine Kette trägt nur so weit wie ihr schwächstes Glied. 67 von 167. Drei Viertel der Welt bleibt im Schatten, und im Schatten wachsen die Wege — nicht nur steuerliche.
Die NATO führt Cyber- und Informationskriegsführung in immer neuen Erklärungen ins Feld. Häufigkeit und Vielfalt der Dokumente zeigen, wie ernst die Lage genommen wird. Russische Cyberaktivitäten, Luftraumverletzungen, Desinformationskampagnen — das Bündnis reagiert, sucht gemeinsame Standards mit der Industrie, will kollektive Sicherheit durch Partnerschaften stärken. Was die Erklärungen nicht enthalten: jede Erwähnung krypto-basierter Einflussoperationen. Unklar bleibt, ob genau hier Finanzlogistik versteckt wird — oder ob nur niemand hinschaut.
Unklar bleibt auch, wer in den OECD-freien Zonen die deutschen Vermögen aufnimmt. Und ob die 500 Stellen, der mittlere zweistellige Millionenbetrag, die 2.000 Spezialisten jemals kommen. Oder ob das Papier bleibt, was es ist: Papier.
Hören wir genau hin, wenn die nächste Anhörung ruft. Dann zählt sich, wer fehlt.
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