Der Rubel fällt, die Tanker fahren, die Bücher sind nie ausgeglichen
Geopolitische Unsicherheit — so sagen sie es in den Bilanzbesprechungen. Im Klartext: Wer Geld hat, schiebt es über die Grenze. Wer keines hat, schaut zu, wie der Wechselkurs sein Frühstück auffrisst.
Russlands Manöver "Union Resolve 2022" in Belarus? Keine Invasion, sagen die Experten. "Einschüchterung." Aha. Während Moskau Panzer zählt, zählt Washington andere Zahlen: 80 Tonnen US-Waffen für Kiew, eine zweite Charge über 200 Millionen Dollar, Familien der US-Diplomaten auf dem Rückflug, Briten evakuieren teilweise. Die EU bleibt. Vorerst. NATO-Einheiten, Kriegsschiffe, Flugzeuge an die Ostflanke verlegt. Was dabei nicht passt: die "Eindämmung" trägt die Handschrift der Eskalation. Beide Seiten kennen die Choreografie.
Hier beginnt die Archäologie. Brüssel bastelt am 21. Sanktionspaket. Es scheitert am Mittwoch. Athen legt sein Veto ein, Wien summt mit. Warum? Weil die griechische Flotte den Löwenanteil der europäischen LNG-Carrierflotte stellt. Ein Transfervorbehalt für russisches Flüssiggas — und Japan, China, USA füllen die Lücke. Marktanteil weg. Verschenkt. "Druck maximieren, Kollateralschäden minimieren", sagt der Athener Beamte, natürlich, anonym. Hört sich klug an. Ist es nicht.
Nord Stream 2. "Rein kommerziell", sagten sie 2015 in jenen Besprechungen, deren Protokolle ich nicht mehr brauche. 2021: 144 Milliarden Kubikmeter Gas durch Leitungen, etwa 30 Prozent des EU-Bedarfs, 8 Prozent der gesamten Energie. Zwanzig Milliarden Euro. Die politische Natur wurde ignoriert. Besonders in Berlin.
Die Mechanik: Ölpreisdeckel bleibt bei 44,10 Dollar pro Barrel. Schiffe auf Schwarzen Listen. Sanktionen gegen Drittländer, damit niemand um die Ecke kauft. Fraglich bleibt, wie lange Europa sich diese Bande leistet. Unklar ist auch, wem die Volatilität nützt — den Energiehändlern, den Reedern, den Bürokraten, die erklären, warum der Gürtel enger muss. Ich rauche. Langsam. Die Pfeife kennt die Antwort bereits.
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