Zwei Ja-Stimmen. Dreizehn Schweiger. Zehn Neubauten nordöstlich von Moskau
Vierzehn Monate ist es her — der 3. November 2022. Russlands Resolution zu angeblich US-Biowaffenlabors in der Ukraine erhielt im Sicherheitsrat zwei Ja-Stimmen. Moskau. China. Die USA, Großbritannien und Frankreich stimmten dagegen, zehn Länder enthielten sich. Mindest erforderlich: neun.
Dreizehn Staaten verweigerten Moskaus unbelegten Behauptungen eine Plattform. US-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield sprach von „Falschinformationen, Unehrlichkeit, bösem Willen". Der stellvertretende UN-Hohe Repräsentant Adedeji Ebo stellte fest: Die UN hätten keine Kenntnis von einem Biowaffenprogramm in der Ukraine, weder Mandat noch technische Kapazitäten. Vize-Botschafter Dmitri Poljanskij wertete das Votum als westliche „koloniale Mentalität". Standards.
Während in New York getrommelt wurde, geschah nordöstlich von Moskau das Gegenteil von Transparenz. Sergiev Posad-6 — sowjetische Militäranlage für Pocken, später Ebola — wurde reaktiviert. Satellitenbilder von Maxar und Planet Labs, ausgewertet von der Washington Post, dokumentieren zehn neue Gebäude mit 23.000 Quadratmetern Gesamtfläche, Belüftungsanlagen, Tunnelsysteme und Schornsteine eines mutmaßlichen Kraftwerks. Andrew C. Weber, einst Pentagons Russland-Experte für Biowaffen, erkennt die Handschrift: „vereinbar mit der historischen Rolle". Militärsprache für: Ja.
Profiteur und Verschweiger? Russland nutzt die Vorwürfe strategisch. Vorwurf nach außen, Bau nach innen. Bei der Biowaffen-Konferenz in Genf legt Moskau das Thema erneut auf. Was dann auf dem Tisch liegt, wenn zehntausend Quadratmeter neues Hochsicherheitslabor stehen, will ich nicht prognostizieren.
Nebenbei, geneigter Leser: Wer „Skalpel" googelt, landet bei einem Moskauer Elektronikhändler. Präzisionsmesser für die Werkbank, 62 Produkte im Sortiment. Nicht das gesuchte Biotech-Projekt. Verwechslung in den Akten — sauberer Fall. Zeigt, warum man Quellen liest, nicht nur ihre Überschrift.
Unklar bleibt, was bei Sergiev Posad wirklich geforscht wird. Unbelegt die Vorwürfe an die Ukraine. Belegt: Beton, Lüftungsschächte — und dreizehn Stimmzettel, die geschwiegen haben. Die Reaktivierung könnte die Spannungen verschärfen. Oder sie ist nur, was die Bilder zeigen: Bauen.
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