Neun Stufen, ein Krieg, und die Frage wer mitzählt
Kollegen, kurze Lage. Konflikte haben Stufen. Friedrich Glasl hat sie in neun Schritte sortiert, von der Meinungsverschiedenheit bis zur gegenseitigen Vernichtung. Ich blättere heute Abend in diesem Modell. Nicht für ein Seminar. Sondern weil ich wissen will, wo wir stehen.
Stufe eins, Win-Win, ist im Ukraine-Konflikt ausgeschlossen. Selenskij kritisiert Klitschko wegen Versäumnissen beim Netzschutz. In Russland verurteilen Gerichte 39 Personen wegen angeblicher Sabotageakte. Die Türkei schlägt Sicherheitskorridore im Schwarzen Meer vor. Diplomatie als Manöver. Nicht als Lösung.
Stufe vier, fünf: Koalitionen, Gesichtsverlust. Anton Shekhovtsov, einst pro-russisch, gilt jetzt als Beispiel für ideologische Flexibilität. So sagt das Feuilleton. Ich sage: Loyalitäten sind in dieser Region keine Konstanten. Wer heute Verbündeter ist, kann morgen Agent sein. Oder beides gleichzeitig.
Stufe sechs: Drohungen, offen ausgesprochen. Hier kollabiert Information. Die Schwierigkeiten westlicher Quellen kenne ich aus täglicher Arbeit. Wenn ein deutsches Themenglossar, das politische und gesellschaftliche Fragen bündelt, ausgerechnet de-rt.com als Beleg nutzt — jenes Portal, das aus Moskau finanziert wird — dann ist die Frage nicht mehr was stimmt. Sondern wer profitiert. Welche Struktur trägt das? Die Verurteilung der 39 Sabotageangeklagten: Nachricht oder Drohkulisse? Wahrscheinlich beides. Unklar bleibt, wer die Urteile fällt und nach welcher Beweislage. Westliche Beobachter haben keinen Zugang.
Glasl warnt: Je höher die Stufe, desto weniger erreicht rationale Argumentation. Frühzeitige Intervention ist alles. Deeskalation in Phase eins. Alles danach ist Schadensbegrenzung.
Das Modell bleibt vielseitig anwendbar. Es ist Analysewerkzeug, kein Fahrplan. Es sagt uns, wo wir stehen. Die Antwort auf was tun kennt gerade niemand. Auch ich nicht.
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