Saubere Hände, schmutziger Verdacht
Mr. Davies baut Kathedralen aus Stahl und Glas. Sein Name steht in keiner Akte der Panama Papers, in keiner der Paradise Papers — und dennoch wird er befragt, als hätte er unterschlagen. So arbeitet das System: Es bestraft nicht die Schuld, es bestraft die Sichtbarkeit.
Mr. Davies hat es selbst formuliert, in seinem Büro in Atlanta, Blick auf Peachtree und 14th Street: Es gehe ihm nicht um Steuervermeidung. Recht hat er. Beweis ist das keiner. Über 214.000 Offshore-Einheiten wurden 2016 offengelegt; er hatte sich in ein Labyrinth aus Trusts und Briefkastenfirmen begeben — Jersey, Britische Jungferninseln, Isle of Man — zur Vermögenssicherung, wie er sagt, mit einem Portfolio aus geistigem Eigentum, Designpatenten, internationalen Verträgen. Strukturen, die der Common Reporting Standard der OECD bis heute kaum durchdringt.
Und genau hier liegt der Mechanismus, den keine Konferenz beim Namen nennt: Dieselben Instrumente, die gegen illegale Finanzströme geschaffen wurden — der CRS, verschärfte Beneficial-Ownership-Gesetze, die Initiativen von über hundert Jurisdiktionen —, sie treffen am härtesten jene, die legal handeln. Die wahren Architekten der Verschleierung sitzen in Vorständen, deren Konstrukte kein Leak je erreicht. Wer profitiert? Jene, deren Komplexität das Licht scheut, ohne je benannt zu werden.
Die Neuklassifizierung digitaler Einnahmen als Lizenzgebühren, die Einführung von Abzugssteuern — Schritte, gewiss. Aber ausländische Konzerne zahlen weiterhin niedrigere effektive Steuersätze als die Herren sauberer Mandate. Australiens strukturelle Handelsbilanz zu den Vereinigten Staaten bietet einen gewissen Schutz — doch zeigt sie nur, wie verwundbar kleine Ökonomien bleiben.
Datenanalyse und künstliche Intelligenz werden unausweichlich. Doch Technologie ersetzt keine politische Bereitschaft zur Kooperation. Der internationale Rahmen bleibt unzureichend. 13,4 Billionen Dollar Offshore-Vermögen, fünfundzwanzig Prozent verschobener Konzerngewinne. Keine Zufallszahlen.
Mr. Davies wird überleben. Er hat die Mittel zur Verteidigung. Unklar bleibt, wie viele Mr. Davies in den Archiven der Leaks unsichtbar blieben — und ob das System überhaupt noch fähig ist, zwischen Vorsatz und Legitimität zu unterscheiden.
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