Harmonisierte Vorschriften, kollektive Heuchelei
Die Federal Reserve legt einen Regelentwurf vor. Harmonisierung der AML/CFT-Standards, sagen sie. Reduzierung der Compliance-Last für Banken, sagen sie. Konsistenz zwischen den Aufsichtsbehörden, sagen sie. Schöne Worte. Schöne Akten.
Seit 1970 trägt Amerika den Bank Secrecy Act mit sich herum wie einen Orden, den niemand mehr sieht. 1986 der Money Laundering Control Act. 1992 die vier Säulen. 2001 der PATRIOT Act. 2016 die Customer Due Diligence. 2020 der AML Act. Jede Generation brachte neue Beauftragte, neue Schulungen, neue Papiere. Das Ergebnis? US-Banken bleiben Geldwäsche-Hotspots für lateinamerikanische Kartelle. Das ist die Rechnung, die niemand vorlegt.
Die EU macht es anders. Die Anti Money Laundering Directives haben sich über Generationen entwickelt, haben Krypto-Börsen und Verwahrer eingezogen, haben KYC, Transaktionsüberwachung und Meldepflichten für verdächtige Aktivitäten festgezurrt. Risikoorientiert. Strukturierte Kontrollen. Ein Modell, das als Modell dienen könnte — schreiben sie selbst. Verwenden sie es? Nein.
Hier sitzt der Trick. Wer profitiert von der Harmonisierung? Nicht die Ermittler, die seit Jahrzehnten beklagen, dass Fed, FinCEN, OCC, FDIC und NCUA jeweils ihre eigenen Wagenheber-Methoden pflegen. Die Nutznießer sitzen in den Compliance-Abteilungen der Großbanken. Ein einheitlicher Standard spart Millionen. Eine Beraterin weniger pro Quartal. Widersprüchliche Anforderungen, die bisher als Ausrede dienten, warum man dies oder jenes übersehen habe — fallen weg. Das ist die Struktur, die niemand benennt.
Die EU zeigt, wie es geht: klare Verfahren für KYC, Screening politisch exponierter Personen, Überwachung verdächtiger Muster, Meldungen bei Verdacht, Aufbewahrungspflichten über Jahre, Mitarbeiterschulungen. Keine Zauberei. In den USA jedoch entscheidet weiter jede Behörde selbst, wie sie den AML Act von 2020 interpretiert. Bis das stimmt, bleibt das Fenster offen.
Unklar bleibt, wer in den Vorstandsetagen die bisherige Zersplitterung aktiv bewahrt hat. Unklar bleibt, wie viele Milliarden kartellgewaschenes Geld durch Wells, Chase und BoA geflossen sind, während die Aufsichtsbehörden ihre Papiere schrieben. Klar ist nur dies: Bücher gleichen sich nicht aus, wenn niemand nachrechnet.
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