Spurensicherung im Labor — Gain-of-Function und die Akten, die keiner öffnen will
Die Akten sind geleakt. Der Kongressausschuss hat sie geöffnet, und was zum Vorschein kam, riecht nach mehr als nur Formaldehyd. Das NIAID soll riskante Coronavirus-Experimente in Wuhan finanziert haben — jene Stadt, die später als Epizentrum einer Pandemie die Welt in ihre Wohnungen sperrte. Der Zufall will es, dass dieselben Forscher, die dort mit Fledermausviren arbeiteten, heute erklären, diese Erreger seien genetisch „zu weit entfernt" von SARS-CoV-2, um als dessen Ursprung in Frage zu kommen. Zu weit entfernt. Merken Sie sich dieses Vokabular. Es ist die Sprache von Leuten, die Spuren lesen, während sie welche verwischen.
Gleichzeitig tauchen Stimmen auf — seriöse Stimmen, nicht jene aus den Foren — die behaupten, bestimmte Merkmale des Virus deuteten auf menschliche Eingriffe hin. Gain-of-Function. Der Fachbegriff für Experimente, die Erreger gefährlicher machen, als die Natur sie schuf. Man tue es, sagt man, um vorbereitet zu sein. Man hat es immer gesagt. 2011. 2014. 2019.
Dann die Regulierer. EFSA senkt die sicheren Aufnahmemengen für Trifluoressigsäure, ein Abbauprodukt von Pestiziden, das sich im Wasser sammelt. Neue Erkenntnisse, heißt es. Man passt sich an. Man reagiert. Man beruhigt. Derselbe Apparat aber, der bei Trifluoressigsäure nachjustiert, schweigt dort, wo es laut sein müsste: bei der Aufsicht über Forschung an potenziell pandemischen Pathogenen.
Der Kongressausschuss spricht von verlorenem Vertrauen. In meiner Sprache heißt das: jemand hat geschwiegen, jemand hat zugesehen, und jemand hat zugelassen, dass Spuren verschwanden. Transparenz wird gefordert. Rechenschaftspflicht. Immer Maßnahmen. Ich frage mich nur, ob sie wirken, bevor das nächste Labor seinen Beweis liefert — oder erst, wenn die Welt ihn wieder atmet.
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