Grüne Berichte, schmutzige Bilanzen
Brüssel hat zugeschlagen. Die ESG-Offenlegungsverordnung zwingt Banken, Fonds und Vermögensverwalter — die ganze Riege in Nadelstreifen, die anderen gern den Gürtel enger erklärt — die Nachhaltigkeit ihrer Produkte offenzulegen. Klingt nach Wahrheit. Ist auch eine. Eine halbe.
Die Verordnung verlangt Transparenz. Sie verlangt nicht, dass die Zahlen wahrer werden. Sie verlangt Kohärenz mit einem politischen Rahmen, der die Klimaziele erreicht. Dieser Rahmen existiert. Auf Papier. Die Realwirtschaft wird indirekt getroffen — über die Kapitalströme. Hier beginnt die Akte.
Die EU hat den Finanzsektor zur Schaltstelle gemacht, um Kapital in nachhaltige Investments zu lenken. Wer lenkt, gewinnt. Wer sich nicht lenken lässt, lenkt selbst. Die Frage ist nur: wohin?
Schauen wir auf MicroStrategy. Ein Unternehmen, das Bilanzen baut um eine Währung herum, die keine Emissionen hat — aus dem falschen Grund. Die Aufnahme in den Nasdaq 100 ist erwartet zum 23. Dezember. Neue Sichtbarkeit. Neue Kapitalströme, direkt in Bitcoin. Politische Entwicklungen in Washington erleichtern institutionelle Investments. Analysten rechnen den S&P 500 als nächsten Schritt bereits ein.
Während Brüssel das Geld in grüne Anleihen zwingen will, öffnen sich andernorts die Schleusen. Die ESG-Verordnung reguliert die Tür. Das Kapital nimmt das Fenster.
Dann die Lecks. Die Binance-Affäre ist das Beispiel: ein Institut, das sich Regulierung als Maske aufsetzt und darunter Geldwäsche, Sanktionsumgehung, kriminelle Geschäfte betreibt. Die Aufsicht hat versagt. Die Frage, die offen bleibt: wie soll dieselbe Aufsicht, die bei einer Kryptobörse wegschaut, bei einem Nachhaltigkeitsfonds scharf rechnen?
Die Bücher sind nie ausgeglichen. Das war nie ein Versehen.
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