Börse
Terminal Tribune

11. Oktober 2026

Dossier · Politik & Macht

Handschuhe über Dividenden: Die Architekten der Grauzone

11. Oktober 2026 — — Kastner

Manche nicken freundlich, während sie Paragraphen wie Türschlüssel benutzen. Fachleute und Anwälte, sie sitzen nicht am Spieltisch — sie bauen den Tisch. Ihre Beteiligung im Finanzsektor unterstreicht, mit welcher Selbstverständlichkeit bestimmte Praktiken im grauen Kapitalmarkt fortbestehen. Es sind die sauberen Hände, die das schmutzige Geschäft am Laufen halten.

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Die Mechanik ist alt, das Make-up ist neu. Ereignisse wie Dividendenstichtage werden ausgenutzt, Finanzinstrumente wie ETFs und Dark Pools dienen als Schleusen. Man legt das Geld in eine Konstruktion, in der es sich kurz verdoppelt, und holt sich eine Steuer zurück, die nie gezahlt wurde. Die Komplexität ist kein Betriebsunfall — sie ist das Design. Wer nicht durchblickt, soll auch nicht fragen.

Und dann die ewige Wiederkehr: Cum-Ex 2.0. Trotz gesetzlicher Maßnahmen zur Schließung der Lücken wurden neue Methoden entwickelt, um Steuern zu umgehen. Der Gesetzgeber schließt eine Tür, die Berater öffnen das Fenster. Die Nutzung von ETFs und Dark Pools in diesen Schemata verdeutlicht die Schwierigkeiten, denen sich Aufsichtsbehörden gegenübersehen — gerade weil die Architektur so gebaut ist, dass sie schwer einsehbar bleibt.

Die Warnungen der FCA unterstreichen, wie notwendig es ist, Verbraucher und Investoren über die Risiken im Finanzsektor aufzuklären. Aufklärung, wohlgemerkt, nicht Aufdeckung. Aufklärung ist die leichtere Übung. Die Ermittlungen zu Cum-Ex 2.0 zeigen zudem anhaltende Bedenken — Bedenken, die in Brüssel, in Frankfurt, in London in unterschiedlichen Aktenordnern liegen und einander nie begegnen.

Denn die europäischen Behörden weisen gravierende Mängel in der Koordinierung zur Betrugsbekämpfung auf. Was im einen Mitgliedstaat Akte ist, ist im anderen Anlage. Die nationale Souveränität wird zum Vorwand fürs Wegsehen. Wer hier profitiert, muss nicht einmal die Grenze überschreiten.

Und die Bafin? Sie fordert erneut Informationen von Banken zu Cum-Cum-Deals an, um die finanziellen Auswirkungen besser zu verstehen. Erneut. Das Wort enthält die ganze Tragödie: nichts wird zum ersten Mal gefragt, nichts wird zum letzten Mal verschwiegen.

Offen bleibt, wer eigentlich an den Hebeln sitzt — die Bank, die Kanzlei, der Vermögensverwalter oder jene, die im Hintergrund die Fäden führen. Man schreibt Protokolle. Man versendet Anfragen. Man zieht Handschuhe aus.

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