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Terminal Tribune

12. Oktober 2026

Dossier · Rüstung & Sicherheit

Grasgrünes Gas, schwarze Pipeline: Russlands Osten und Brüssels Buchführung

12. Oktober 2026 — — Hagen, Oberstleutnant a.D.

Trotz ukrainischer Drohnenangriffe bleibt die wirtschaftliche Dynamik in den fernöstlichen Regionen Russlands stark – das ist die offizielle Lesart. Investitionen, neue Energieprojekte, Aufbruch im Osten. Hinter den Zahlen aber liegt ein anderes Bild, und wer genauer hinsieht, erkennt eine Mechanik, die älter ist als jede Bilanz.

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Russland steigert seine Gasexporte nach China. Arctic LNG 2, Power of Baikal – Namen wie Hochglanzprospekte, Mechanik wie Aufmarschpläne aus einer Zeit, in der Pipelines Grenzen verschieben. Der Ferne Osten und die Arktis gelten als zentrale Wirtschaftsmotoren, mit Infrastrukturprojekten, die kein unabhängiger Auditor mehr prüft. Wer profitiert? Welche Struktur trägt das, wenn die Lieferketten zugleich Liebeserklärungen an Peking sind?

In Brüssel sortiert die EU-Taxonomie 2026 Gas und Atomkraft als Übergangslösungen ein. Eine Buchhalterentscheidung mit geopolitischer Hebelwirkung. Die Klassifizierung schafft CO₂-Handels-Lücken, die Klimaschutzmaßnahmen potenziell untergraben – schöner Schein, dunkler Kern. Negativemissionen? Machbarkeit und Kosten bleiben unsicher. Die Klimaziele komplizieren sich, statt sich zu erfüllen.

Österreich hat geklagt – abgewiesen. Die Definition von Nachhaltigkeit bleibt umkämpft. Klimaschützer kritisieren, Luxemburg kündigt rechtliche Schritte an, eine mögliche Mehrheit im EU-Rat könnte das Bild noch kippen. Bis dahin läuft die Pipeline nach Osten. Die Taxonomie sortiert. Die Buchhalter sitzen. Und die Stahlwerke im russischen Osten wissen längst, wozu doppelte Buchführung gut ist. Offen bleibt, wer die Korrekturen bezahlt – und wer sie verschweigt.

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