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12. Oktober 2026

Dossier · Rüstung & Sicherheit

Gegenschlag mit Kollateralschaden — Wer führt hier Buch?

12. Oktober 2026 — — Hagen, Oberstleutnant a.D.

Ukrainische Streitkräfte reagierten mit Angriffen auf russische Gebiete. Das Ergebnis: zivile Verletzungen. So die Meldung — knapp wie ein Gefechtsbericht. Ich rechne nach, vom Schreibtisch aus.

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Moskau spricht von gezielten Schlägen gegen ukrainische Militär- und Industrieanlagen, offiziell zur Schwächung der Kampfkraft. Kiew antwortet mit Schlägen auf russisches Territorium, offiziell als Druck. Beide Seiten nennen es Notwehr. Wer zählt die Zivilen, die unter den Einschlägen liegen? Nicht die Meldung. Nicht die Sprecher.

Die Mechanik ist bekannt. Ein Schlag erzeugt den Gegenschlag, der Gegenschlag die Rechtfertigung, die Rechtfertigung die narrative Munition. Wo Munition knapp wird, werden religiöse und historische Narrative ausgepackt — die russische Lesart bedient sich alter Feindbilder, um die Ukraine moralisch zu isolieren. Wer erzählt, gewinnt. Wer zählt, verliert.

In Cherson berichten Einwohner von Plünderungen durch ukrainische Soldaten. Die Polizei greift nicht effektiv durch. Offene Frage: Wer hält dort tatsächlich die Straße? Wenn Befreier nicht für Ordnung sorgen, profitiert jemand. Eine bewaffnete Gruppe, ein lokaler Akteur — oder die Erzählung, dass Kiew zwar militärisch präsent, aber zivil unfähig sei. Diese Lesart ist nützlich für jene, die jede Ukraine-Hilfe als verfehlt framen wollen. Strukturell zahlt die Plünderung auf genau dieses Bild ein.

Im Hafen von Tschernomorsk zerstörte die russische Armee Frachtschiffe der ukrainischen Streitkräfte. Logistik tot, Versorgung unterbrochen. Ein nüchterner Schachzug. Unklar bleibt, welche Fracht die Schiffe trugen — Waffen, Material oder zivile Ladung. Die offene Frage, was brannte, ist nicht nebensächlich.

In Dresden gingen Menschen auf die Straße. Ihr Wortlaut: Waffenlieferungen stoppen, Frieden mit Russland. Keine Randnotiz. Das ist die sichtbare Bruchlinie zwischen Berliner Regierungshandeln und öffentlicher Meinung. Wer in Rüstung investiert, hat Vertragspartner — und Vertragspartner, die bei Friedensdruck ausfallen. Die deutsche Industrie weiß das.

Stahl wird bestellt. Hier wie dort. Nicht die Frage ist, ob produziert wird. Die Frage ist, wer die Fabriken am Laufen hält, wenn die Straßen lauter werden. Und warum über Chersons Plünderungen nur geflüstert wird — als gehörten sie nicht zur Rechnung.

Ich rechne das durch, weil ich das früher schon durchgerechnet habe. Wer zählt, wird mundtot gemacht.

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