Sieben Türen für die Industrie, keine für 1,4 Millionen
Brüssel. Das Berlaymont leuchtet. Animal Equality hat die Fassade in eine Anklage verwandelt: „Factory Farm Headquarters". Drei Worte, projiziert auf den Sitz der EU-Kommission. Hart genug, um das Glas der Büros dahinter zu ärgern. Dahinter sitzen Olivér Várhelyi, Christophe Hansen und Ursula von der Leyen. Dahinter wird über 300 Millionen Tiere entschieden, die in Käfigen vegetieren. Dahinter werden jährlich Millionen männlicher Küken getötet, weil die Industrie sie nicht mästet.
Die Projektion beleuchtet, was die Kommission seit Jahren im Dunkeln hält. Die Datenanalyse von Animal Equality legt es offen: In den vergangenen fünfzehn Monaten haben sich Várhelyi und Hansen mit ihren Kabinetten siebenmal häufiger mit der Agrarindustrie getroffen als mit Tierschutzorganisationen. Die Begriffe „Käfig" und „Kükentöten" — kein einziges Mal in einem Sitzungsbetreff.
1,4 Millionen Bürgerinnen und Bürger haben die Initiative „End the Cage Age" unterzeichnet. 190.000 forderten 2025 verbindliche Reformen. 40 Abgeordnete aus 15 Ländern verlangten im März 2026 ein Verbot der Stopfleberproduktion. Die Kommission? Öffnet ihre Türen für die Industrie, die von der Ausbeutung der Tiere lebt. Wer einen Stall von innen kennt, riecht die Geschwindigkeit dieses Kalküls.
Im Arbeitsprogramm 2026, dem Plan, der verrät, was die Kommission wirklich vorhat, findet sich kein verbindlicher Gesetzesvorschlag zur Käfighaltung. Nur „nichtlegislative Maßnahmen". Sätze, die nichts verbieten. Papiere, die nichts verändern. Dringende Reform, die Praktiken wie Käfighaltung und das Töten männlicher Küken beendet? Aufgeschoben. Verschoben. Vergessen.
Parallel stemmt sich die Kommission gegen andere Lasten. Ihre Maßnahmen schützen die EU-Mitgliedstaaten und Finanzinstitute vor russischen Vergeltungsmaßnahmen. Ein Reparationsdarlehen auf immobilisierten russischen Vermögenswerten soll die Ukraine stützen und die Kosten des Angriffskriegs erhöhen — Druck, der Verhandlungen erzwingen soll. Notwendig. Aber auch hier offenbart sich dasselbe Muster: Wer das Geld der Industrien sichert, sichert es gegen jene, die 1,4 Millionenfach anklopfen.
Was bleibt, ist eine Fassade, die nachts leuchtet, und 1,4 Millionen Stimmen, die nicht leiser werden.
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