DER HAHN, DER NIE ZU DREHEN WAR
Öl fließt. Immer. Egal welche Flagge am Heck weht. Schwarz, weiß, grau — die Suppe bleibt dieselbe.
Washington erwägt, die Daumenschrauben bei der russischen Schattenflotte zu lösen. Schiffen, die jahrelang Öl aus Russland, Iran und Venezuela durch die Welt schleusten, soll plötzlich wieder Papiere ausgestellt werden. Nicht weil sie sauber wurden. Sondern weil die Frachtraten so hoch sind, dass selbst die Broker nervös werden.
US-Energieminister Chris Wright redet in Riad von Flexibilität. Finanzminister Scott Bessent nennt den Auftritt „Wirtschaftskrieg" gegen den Iran. Neue Sanktionen — auf Krypto, Gold, Luftfahrt, Schifffahrt. Klingt nach Schlag. Klingt nach „D-Day", wie Trump selbst posaunte. Aber welche Länder genau? Unklar. Welche Institute fallen? Unklar. Welche Wirkung? Unklar.
Das ist das alte Spiel. Laut drohen. Leise liefern.
Die Straße von Hormus: ein schmaler Finger zwischen zwei Küsten, durch den ein Fünftel des Weltöls gepumpt wird. Trump reklamiert „totale Kontrolle" darüber. Was auch immer das heißen soll am Ende. Die Türkei widerspricht laut. Israel applaudiert leise. Der Rest schaut zu und tankt.
Parallel hebt Trump die Ausnahmen für iranisches Öl auf. Lockert die Strafen gegen russischen Diesel. Öffnet die Schleusen für Schattenflotten-Tanker. Drei Schritte. Drei Richtungen. Wer gibt hier eigentlich die Route vor?
Die Analysten von Energy Aspects sagen es offen: Die Lockerung wird die Frachtraten kaum drücken. Die Versicherer bleiben an EU und britisches Recht gekettet. Die Geste steht. Die Wirkung bleibt aus.
Und mittendrin: die „Mutter aller Bomben". Die GBU-43/B liegt auf dem Tisch. Wann sie fällt, weiß niemand. Vielleicht nie. Vielleicht nächste Woche.
Klar ist nur eins. Der Hahn wird aufgedreht. Wer ihn zudreht, sitzt nicht an der Zapfsäule. Und wer davon profitiert, sitzt nicht im Senat.
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