Putins fünf Milliarden: Das Loch in Brüssels Sanktionsmauer
Die Schiffe wechseln den Namen. Die Routen ändern sich. Das Geld ändert nichts. Es landet in derselben Kasse.
In den ersten sieben Monaten dieses Jahres haben die EU-Staaten 5,3 Milliarden Euro nach Russland überwiesen — für Flüssigerdgas. Die Importe liegen 40 Prozent über dem Wert von 2021. Ein Allzeithoch. Mitten in der härtesten Sanktionsrunde, die Brüssel je gegen Moskau verhängt hat.
Spanien und Belgien führen die Liste der Abnehmer an. China kauft mehr als ganz Europa zusammen. Und Deutschland? Die norddeutschen LNG-Terminals sind voll ausgelastet — nur nicht mit russischem Gas. Die Betreiber wurden verpflichtet, kein LNG aus Moskau einzuspeisen. Im November 2024 wies die Bundesregierung den Brunsbüttel-Betreiber DET an, eine Lieferung abzuweisen. Ein Einzelfall. Auf dem Papier.
Denn das Gas kommt trotzdem. Über Belgien, Frankreich, die Niederlande ins deutsche Netz. Legal. Über bestehende Verträge, die niemand kündigt. Sanktionen gegen Pipeline-Gas — ja. Gegen LNG — nein. Erst 2027 greift ein EU-weites Importverbot.
Dass ausgerechnet SEFE — der verstaatlichte Ex-Gazprom-Importeur — 2023 in Dubai persönlich um die Wiederaufnahme russischer Lieferungen bat, sollte Fragen aufwerfen. Chef Egbert Laege reiste. Der Kreml gab frei. Das Wirtschaftsministerium unter Robert Habeck nickte ab. Die Begründung des Managements: indische Lieferverpflichtungen.
Parallel schärft Brüssel die Kontrollen. Transitrouten über Drittländer wie Kasachstan und die Türkei stehen unter verschärfter Prüfung. Sanktionsumgehung ist strafbar — bis zu 40 Millionen Euro Bußgeld oder Freiheitsstrafe. Die rechtliche Schranke steht. Die Lieferungen laufen weiter.
Die Struktur ist alt. Während Brüssel redet, baut Peking seine Position auf dem Weltmarkt aus. Die geopolitische Spannung verschiebt die Karten. Die EU zahlt. Offen bleibt, welche langfristigen Verträge noch in den Büchern stehen, welche Drehscheiben in Belgien und Spanien das Volumen bündeln, welche Rolle verschachtelte Tochterfirmen spielen. Die Daten sind bekannt. Die Konsequenzen fehlen.
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