Die Hand im eigenen Acker
Brüssel sieht, was Prag nicht sehen will. Die Europäische Kommission hat die Auszahlung von 3,18 Millionen Euro an den Agrofert-Konzern gestoppt — Mittel aus der zweiten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik, konkret aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums. Direktzahlungen an Landwirte bleiben unberührt. Hier geht es nicht um Ackerbau, hier geht es um Macht.
Rund 130.000 Hektar Land verwaltet der Konzern, der mit dem tschechischen Premierminister Andrej Babiš verflochten ist. Seit Februar 2026 stehen seine Anteile im Treuhandfonds RSVP Trust — jenem Konstrukt, das Babiš als saubere Lösung präsentiert und das Präsident Petr Pavel zur Bedingung für Babiš' formelle Rückkehr ins Amt erhoben hatte. Die Kommission teilt diese Einschätzung nicht. Sie sieht ein hohes Risiko für Interessenkonflikte, insbesondere bei Zahlungen aus der zweiten Säule.
Die Vorbehalte sind nicht neu. Bereits zwischen 2017 und 2021 stand Babiš wegen Vetternwirtschaft im Fokus der EU. Tschechische Gerichte und die Kommission stellten damals fest, dass er Einfluss auf Agrofert behielt. Auch jetzt prüft Brüssel weiter, ob die getroffenen Maßnahmen zur Trennung ausreichen — und signalisiert: nicht zufriedenstellend gelöst.
Die nationale Interventionsbehörde SZIF hat bereits Zahlungen in Höhe von drei Millionen Euro unterbrochen. Ihr Chef Petr Dlouhý zeigt sich dennoch zufrieden mit der Konstruktion des Treuhandfonds. Opposition, private Bauern und Transparency International Czechia sehen das grundlegend anders und sprechen offen von einer Strategie des Aufschiebens und Herunterspielens. Die Kommission stehe mit den tschechischen Behörden in Kontakt, fordere weitere Informationen an. Solange das Problem nicht vollständig gelöst ist, fließe kein weiteres Geld.
Für jeden Agrarkonzern in der Union bedeutet dieser Vorgang: Die Prüfung von Verflechtungen wird überlebensnotwendig. Subventionen sichert man nicht durch Papiere, sondern durch glaubwürdige Trennung.
Was bleibt, ist ein Acker, auf dem einer gleichzeitig sät und erntet — und das wachsame Auge der Kontrolleure, die verstehen, wie ein Treuhand konstruiert ist, bevor er bricht.
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