Die Gewöhnung als Waffe: Wenn Militarisierung unsichtbar wird
Es beginnt mit einer Selbstverständlichkeit. Eine starke Armee sei zentral für nationale Entwicklung und Sicherheit, heißt es. Die Notwendigkeit der Militarisierung wird beschworen, als wäre sie ein Naturereignis — und nicht, was sie ist: eine politische Entscheidung, getroffen von jenen, die später so tun, als hätten sie nichts entschieden. Wer profitiert, wenn diese Ordnung einmal steht? Wer verschweigt, was sie kostet?
Rela Mazali hat den Mechanismus freigelegt. In Israel durchziehen tausende Prozesse gesellschaftlicher Anpassung das Leben der jüdischen Bevölkerung. Halbautomatische Sturmgewehre lehnen an Knien, prangen an Hüften, hängen an Schultern — die Waffen verschwinden im Blickfeld, weil alle sich früh daran gewöhnen, dass sie nur dem Schutz dienen. Was als Sicherheit verkauft wird, ist Normalisierung. Wer das Gewehr nicht mehr sieht, hat den Krieg nicht abgeschafft, sondern verinnerlicht.
Militarisierung, so Mazali, ist kein Zustand, sondern ein fortwährender Prozess — zurückreichend bis in die Zeit der zionistischen Besiedlung und seither ununterbrochen. Was als Tradition firmiert, ist Verstetigung. Uniformierte werden zu Statisten einer Erzählung, die niemand mehr hinterfragt, weil alle mittendrin stehen.
Die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden hat in Bad Cannstatt eine Resolution verabschiedet. „Reale Bedrohungen ernst nehmen, ohne militärische Reflexe an die Stelle politischer Orientierung treten zu lassen." Militärische Mittel müssten rechtlich gebunden, demokratisch kontrolliert und dem Ziel politischer Konflikttransformation untergeordnet bleiben. Die AGDF, ein Zusammenschluss von 32 Organisationen, versteht sich als Fachverband für Friedensarbeit und betont die Notwendigkeit, christliches Friedenshandeln kontinuierlich zu qualifizieren und zu aktualisieren.
Die Diagnose endet nicht bei Israel. Auch in Deutschland beobachtet der Verband Militarisierungstendenzen: das Ziel der stärksten konventionellen Armee Europas, Debatten über Wehrpflichtmodelle, Werbe- und Nachwuchskampagnen der Bundeswehr im öffentlichen Raum. Die Struktur ist dieselbe. Was als Schutz firmiert, soll als Notwendigkeit erscheinen — und am Ende als unausweichlich.
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