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20. Oktober 2026

Dossier · Energie & Klima

Die Lücke, die 6.200 Soldaten im Monat finanziert

20. Oktober 2026 — Hollis

Zwei Milliarden Dollar. So viel haben westliche Staaten in der ersten Hälfte 2024 für Treibstoff ausgegeben, der in türkischen Raffinerien aus russischem Rohöl hergestellt wurde. Kein Gesetzesbruch. Aber ein klarer Bruch mit dem Geist jeder Sanktion.

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Drei Raffinerien am Bosporus verarbeiten das Öl. Die Türkei hat ihre Einkäufe aus Russland 2023 um 34 Prozent gesteigert, dieses Jahr um 70. Rabatt: fünf bis zwanzig Dollar pro Fass. Eine davon, Star Aegean, hängt zu 98 Prozent an russischem Rohöl, 73 Prozent davon stammen vom sanktionierten Lukoil-Konzern. Fast 90 Prozent der Produkte gehen zurück an westliche Verbündete der Ukraine.

„Wenn die EU Benzin aus der Türkei importiert, ist es zehn Prozent billiger als aus Saudi-Arabien", sagt Vaibhav Raghunandan. Sein Kommentar: „Jemand macht hier ein Vermögen — aber nicht die normalen Leute." Moskaus Steuereinnahmen aus diesem Handel könnten laut Forschern 6.200 zusätzliche Soldaten pro Monat finanzieren. Martin Vladimirov nennt das eine „direkte Verletzung des Geistes des Sanktionsrechts".

Parallel arbeiten andere Schlupflöcher. Die Preisobergrenze umgeht Russland mit einer Schattenflotte aus alten, unversicherten Tankern. Über Zentralasien und den Kaukasus fließen sanktionierte Güter als Transit — die Ware wechselt das Etikett, nicht den Empfänger.

Und im hohen Norden: Die dänische Werft Fayard, einzige EU-Werft, die Arc7-Tankschiffe aus dem Jamal-LNG-Projekt wartet. Dänisches Recht verbietet es nicht. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen spricht von einer „unverständlichen" Kooperation. Wer den Auftrag bezahlt, sagt sie nicht.

Sanktionen wirken nur als geschlossenes System. Solange eine Raffinerie das Öl wäscht, eine Werft die Flotte repariert und eine Transitstraße die Ware durchschleust, fließt weiter Geld nach Moskau. Ausgerechnet von denen, die es stoppen wollen. Bei schwindenden Reserven wird jedes Loch zur Pipeline — zurück ins Kriegsbudget des Kreml.

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