Novartis: Fehlschläge, manipulierte Daten, wachsende Investorenwacht
Das klinische Portfolio von Novartis gerät unter Druck. Mehrere Fehlschläge in anderen Studien ziehen die Aufmerksamkeit der Investoren auf sich und legen offen, wie schmal der Weg zwischen vielversprechender Forschung und medizinischem Nutzen sein kann.
Novartis’s clinical pipeline is coming under pressure. Several failures in other studies are drawing investors’ attention and revealing how narrow the path between promising research and medical benefit can be.
Die Entwicklung von Zoltufin für BAS, die amyotrophe Lateralsklerose, wurde nach einem Fehlschlag in einer Phase-III-Studie und wegen gefälschter Daten eingestellt. Die Angaben sind widersprüchlich: Eine Meldung nennt für den Abbruch VHB937, auch Lifonebart genannt, und eine Phase-II-Studie mit 251 Patienten. Deren primäre und sekundäre Wirksamkeitsendpunkte wurden verfehlt. Beides verweist auf dieselbe Bruchlinie: Daten, die einen Entwicklungsentscheid tragen sollen, müssen belastbar sein.
Neben dem ALS-Projekt scheitert Pelacarsen in Phase III daran, das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse bei erhöhtem Lipoprotein(a) zu senken. Auch Delpacibart Etedesiran erreicht bei Myotonischer Dystrophie vom Typ 1 den primären Endpunkt nicht. Mehrere Studien der Zelltherapie Rapcabtagene Autoleucel werden nach drei Todesfällen ausgesetzt. Die Anhäufung negativer Ergebnisse macht aus einer Pipeline ein Risiko, dessen Gewichtung nun die Börse übernimmt.
Nicht jedes Mittel im Portfolio ist jedoch gescheitert. Sirdalud, der Wirkstoff Tizanidin, ist ein zentral wirksames Muskelrelaxans für akute und chronische Muskelkrämpfe. Trotz Nebenwirkungen wird seine Wirksamkeit bei der Linderung von Schmerzen und Spastizität hervorgehoben; empfohlen wird eine vorsichtige Dosierung. Der Preis dieser Wirkung kann schwer sein: Die Behandlung kann zu gravierenden Leberschäden führen und verlangt sorgfältige Überwachung.
Novartis berichtet finanzielle Ergebnisse und nichtfinanzielle Leistungen mit erkennbarem Engagement und Transparenz. Doch Offenheit über Geschäftszahlen ersetzt keine Offenheit über Sicherheitsmängel. Unklar bleibt, wer das Patent an Zoltufin hält, wer die entscheidende Studie finanzierte, wer die verfälschten Daten veranlasste oder erkannte und welche Aufsichtsgremien damals funktionierten. Die Enthüllung wirft ernsthafte Fragen zu regulatorischen und ethischen Standards auf.
Novartis bleibt bei der Forschung und Entwicklung neuer Medikamente aktiv. Das unterstreicht die Bedeutung des Unternehmens in der pharmazeutischen Industrie. Für Anleger ist es zugleich eine Warnung: Reichweite ersetzt keinen Erfolg.
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