Vor Gericht verliert der Staat vorerst das Kommando
Ein Richter setzte die Geschäftsführung von Vicentín wieder ein und gab dem staatlichen Verwalter nur Aufsicht. Der Plan zur Verstaatlichung ist gestoppt, nicht erledigt: Das Unternehmen wird wieder von seiner Geschäftsführung geführt; der Staat beobachtet. Für Präsident Alberto Fernández, der den Konzern retten oder enteignen wollte, ist das ein politischer Schlag. Rechtlich zeigt der Beschluss, wie schwer sich staatliche Not gegen Eigentumsrechte durchsetzen lässt.
A judge reinstated Vicentín’s management and put the state-appointed administrator in an oversight role. The plan to nationalize the company has been halted, not abandoned: Vicentín is once again run by its own management, while the state watches. For President Alberto Fernández, who wanted to save the conglomerate or expropriate it, the ruling is a political blow. Legally, it shows how difficult it is for the state to invoke an emergency in order to override property rights.
Vicentíns Finanzkrise unterstreicht die Herausforderungen der argentinischen Agrarwirtschaft und die Rolle der Regierung bei ihrer Stabilisierung. Der Getreide- und Ölsaatenkonzern ist bei Banken und Zulieferern mit 1,4 Milliarden US-Dollar verschuldet. Bauern protestierten mit Traktoren gegen die Übernahme: Privates Eigentum stand gegen staatliche Intervention. Wie weit die staatliche Kontrolle reichen sollte, blieb unklar. Diese Unklarheit macht den Vorgang rechtlich und politisch kompliziert.
Bei BayWa r.e. verschärfen gestiegene Zinsen und ein auslaufender Milliardenkredit die Lage und erzwingen eine Restrukturierung. Trotz eines Sanierungsgutachtens mit positiven Aussichten bleibt die gesamte BayWa-Gruppe von den Schwierigkeiten der Tochter erfasst. Für Landwirte drohen ausbleibende Pachtzahlungen; bei landwirtschaftlichen Betriebsmitteln sind sie auf BayWa angewiesen. Die Bilanzkrise endet nicht im Büro, sondern auf dem Feld.
Die Bafin rügte, dass die BayWa Risiken und Unsicherheiten der Refinanzierung von Anleihen und Commercial Papers nicht hinreichend offengelegt hatte. Für Aktionäre wäre das von Bedeutung gewesen. Auch Angaben zu Verzichtsvereinbarungen (Waiver) mit Kreditgebern erreichten sie nicht, was die Transparenz beeinträchtigte. Was Anteilseigner nicht wissen, können sie nicht bewerten.
Bei Vicentín übernimmt die Geschäftsführung wieder, während die Regierung ihre Enteignungsdrohung hält. Bei BayWa verschwinden Risiken nicht, weil ein Gutachten positive Aussichten verspricht. Entscheidend ist: In der Agrarwirtschaft kontrolliert nicht erst das letzte Papier, wer Land bewirtschaftet, sondern wer Zugang zu Kapital, Kredit und staatlichem Eingriff hat. Was bleibt, ist die Last: Sie verschwindet nicht, sie wandert zu denen, die weiterarbeiten müssen.
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