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vom normalen Pfad

20. Juli 2026 — — — Kastner

Donald Trump sagte CNN den Weg. Er sagte ihn Jake Tapper ins Ohr, am Sonntag, in einer Telefonschaltung, die als Trauergespräch begann und als Programmhinweis endete. Wer die Choreografie dieses kurzen Wortwechsels betrachtet, erkennt mehr, als jede Pressemitteilung verraten würde.

Lindsey Graham war am Samstag gestorben, der Senator aus South Carolina, nach einer Reise in die Ukraine, an einem Riss in der Aorta, wie später bekannt wurde. Trump rief in Tappers Sendung „State of the Union" an, um des Verstorbenen zu gedenken. Graham, sagte er, habe „voller Tatkraft" geklungen, müde zwar, aber im Wesentlichen unversehrt. Das ist die Tonlage, die ein Präsident wählt, wenn er einen politischen Verbündeten verabschiedet, der zugleich ein Weggefährte war: warm, fast zärtlich, mit dem Bedacht eines Mannes, der die Geste übt, bevor das Publikum sie würdigt.

Tappar versuchte am Ende des Gesprächs behutsam abzubiegen. Er fragte nach der jüngsten US-Militäraktion gegen Iran, nach dem Status der Straße von Hormus. Trump winkte ab. „Well, I know you don't want to talk about any other issues out of respect for Lindsey Graham", sagte Tappar, und lud ihn ein, wiederzukommen, für ein breiteres Gespräch, weil er noch viele andere Fragen habe. Trump sagte zu. „Sure, we'll do that. We'll do that." Eine verdoppelte Zusage, wie sie Männer geben, die ein Versprechen besiegeln wollen, bevor jemand den Preis verhandelt hat.

Dann kam der Satz, um den es seither geht: „We're trying to have CNN go on a normal path, and we'll do that."

Das Wort „normal" hat in diesen Tagen ein besonderes Gewicht. Es fällt in eine Zeit, in der das Justizministerium im Juni die Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount Skydance genehmigt hat, ein Geschäft über 110 Milliarden Dollar. David Ellison, Sohn des Oracle-Gründers Larry Ellison und Vertrauter des Präsidenten, wird die Kontrolle übernehmen. Bari Weiss, bereits Chefin von CBS News, soll nach Berichten auch bei CNN eine Rolle spielen. CNN-Präsident Mark Thompson verschickte im Februar ein internes Memo, um die Belegschaft angesichts des angekündigten Kurswechsels und möglicher Einsparungen zu beruhigen. Paula Reid, die leitende Justizreporterin des Senders, hat das Haus nach eigenen Angaben aus Sorge um die Zukunft verlassen. Kara Swisher kündigte öffentlich an, sie werde nicht mehr für CNN arbeiten, sobald die Ellisons das Regiment übernähmen. Anderson Cooper soll Kollegen gesagt haben, er wolle nicht unter Weiss arbeiten.

Wenn Trump also sagt, er wolle CNN auf einen „normalen Pfad" bringen, dann benutzt er ein Wort, dessen Gehalt sich gerade neu füllt. Normal ist, was die neuen Eigentümer darunter verstehen werden. Normal ist auch das, was Trump darunter versteht. Der Präsident hat den Sender wiederholt attackiert, Anchors wie Kaitlan Collins mit Namen. Die Formel vom normalen Pfad ist in diesem Kontext keine Diagnose, sondern ein Versprechen, das seine Bedeutung erst noch erhalten wird.

Tappar, am anderen Ende der Leitung, bewahrte Haltung. „Well, I'm on a normal path right here, sir, and I appreciate your time, and thank you for calling in." Das war die Antwort eines Mannes, der versteht, dass die Einladung, die er ausgesprochen hat, eine Bedingung enthält. Trump bestätigte: „Good. You are." Es klang wie ein Siegel auf einem Vertrag, der noch nicht ganz unterzeichnet ist.

Man muss diese Sätze nicht als beiläufige Rhetorik lesen. Sie stehen im Kontext einer Übernahme, deren Vollzug begonnen hat. Der Präsident nutzt einen Anruf zum Gedenken an einen verstorbenen Senator, um einem Fernsehsender mitzuteilen, wohin die Reise gehen soll. Er verbindet Trauer mit Programm. Er verpackt eine Ansage in die Form einer Einladung. Am anderen Ende sitzt ein Moderator, der die Einladung annimmt, weil er weiß, dass die Alternative das Schweigen ist.

In Trumps Erinnerung an Graham klang noch ein zweiter Name an: Brett Kavanaugh, dessen Bestätigung im Senat Graham nach Trumps Worten zu einem der „Top-5-Momente" der Kammer gemacht habe. Der eine Kampf wird mit dem nächsten verflochten, der tote Senator mit dem lebenden Richter, das Gedenken mit der künftigen Programmierung des Senders. Wer zuhört, mit der Aufmerksamkeit einer Frau, die Verträge gelesen hat, die nicht eingehalten wurden, hört die Mechanik, mit der sich Szene an Szene fügt.

Was „normaler Pfad" heißt, wird man in den kommenden Wochen sehen. Die Formulierung wird bleiben, in Interviews, in Pressekonferenzen, in den Köpfen der Redakteure, die abwägen, was sie schreiben können. Sie ist ein Schlagwort mit Anspruch. Sie sagt, wo es langgehen soll, und sie sagt es so, als beschriebe sie lediglich, was ohnehin kommen werde.

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