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Sieben Überlebende und das Inventar des Versagens

21. Juli 2026 — — — Kastner

Es beginnt mit einem Motorschaden und endet in einer Liste von Namen, die niemand vollständig kennt. Am vergangenen Mittwoch, wenige Seemeilen vor der Küste der Insel Selayar in Süd-Sulawesi, versagt eine Maschine. Mit ihr versagt alles andere, was diese Maschine hätte kontrollieren, inspizieren oder ersetzen müssen. Die KM Nurul Salsa sinkt. Mit ihr sinken 78 Namen in ein Schweigen, das sich verwaltungstechnisch nennt und menschlich sehr anders schmeckt.

Am Samstag, vor der Dunkelheit, nimmt ein Fischerboot fünf Menschen auf, die sich an eine Fischreuse und Treibholz geklammert hatten — einen Mann, drei Frauen, ein Mädchen von sieben Jahren. Am Sonntag folgen zwei weitere, gefunden auf einer unbewohnten Insel, mitsamt der Aussage, vier andere hätten nicht überlebt. So lauten die Meldungen des Such- und Rettungsbüros Makassar, vorgetragen von einem Sprecher namens Muhammad Arif Anwar, dessen Titel länger ist als die Halbwertszeit der Aufmerksamkeit, die seine Worte verdienen. Anwar selbst beschreibt es nüchtern: Jeder habe sich gerettet "mit jeder Ausrüstung oder jedem behelfsmäßigen Auftrieb, den er finden konnte".

Was diese Worte nicht enthalten, ist bemerkenswerter als das, was sie enthalten. Lokale Medienangaben sprachen bereits vom Tag nach dem Untergang von 47 Geretteten; eine Person gilt als ertrunken; mindestens 18 werden weiterhin vermisst. Selbst eine Addition — 47, plus 1, plus 7, plus 18 — ergibt keinen sauberen Einklang mit den 78, die offiziell an Bord gewesen sein sollen. Was zwischen den Spalten lebt, ist keine Randnotiz der Statistik, sondern sind Menschen.

Die Passagiere, heißt es, hätten sich aus Jerrycans und Korkstücken, mit Stricken zu einem Floß zusammengebunden, über Wasser gehalten — ein Konstrukt, das keine Seemannsbehörde der Welt als Rettungsmittel anerkennen würde. Die Bilder, die Agenturen verbreiten, zeigen SAR-Mitarbeiter am Horizont, die Ausschau halten. Was die Bilder nicht zeigen, sind die Tage dazwischen, in denen weder Hubschrauber noch Aufklärungsflugzeuge unterwegs sein konnten, weil die eingesetzte Apparatur ausgerechnet dort ihre Grenzen hat, wo sie am dringendsten gebraucht wird: nachts, auf offener See, in einem Archipel, das diese Notwendigkeit seit Jahrzehnten kennt.

Fünf große Schiffe, ein Aufklärungsflugzeug, ein Hubschrauber — die Apparatur, die heute im Einsatz ist, wirkt eindrucksvoll auf dem Papier. Sie beginnt jedoch erst zu arbeiten, nachdem das Wasser seine Arbeit bereits getan hat. Die Strecke, auf der die Maschine versagte, war kurz: Jampea zur Hafenstadt Benteng auf Selayar, 43 Seemeilen, 79 Kilometer. Ein Motorschaden während dieser Strecke ist kein Unwetter, er ist ein Befund. Man darf sich fragen, wer dieses Schiff zuletzt inspiziert hat, wer die Passagierliste führte, wer die Überladung genehmigte, die in diesen Gewässern nicht mehr als Betriebsgeheimnis, sondern als Routine gilt. Man darf diese Fragen stellen. Antworten werden keine geliefert.

Denn dort, wo in funktionierenden Verwaltungen eine Pressekonferenz zur Aufklärung stünde, schweigt das System mit der Professionalität einer Behörde, die weiß, dass Schweigen billiger ist als Erklären. Die Kollision von 78 Einzelschicksalen mit dem Gesetz der Schwerkraft wird aufgenommen, nicht aufgeklärt. Sie wird registriert — in Makassar, in Benteng, in den Akten einer Hauptstadt, die 17.000 Inseln verwaltet und keinen Überblick hat.

Was stattfindet, ist die traurige Routine eines Staates, der seine Insulaner mit der Geografie entschuldigt. 17.000 Inseln, heißt es dann, da könne man nichts machen. 17.000 Inseln sind seit Langem keine Naturkatastrophe, sondern eine politische Aufgabe. Diese Aufgabe wird ausgeschrieben, wird bewilligt, wird umetikettiert, und sie wird als erledigt gemeldet — während an einem Mittwoch im Juli eine Maschine versagt und ein Mädchen von sieben Jahren auf Korke und Stricke angewiesen ist, um nicht zu ertrinken.

Die wahre Geschichte der KM Nurul Salsa wird nicht geschrieben an dem Mittwoch, an dem das Schiff sank, und nicht an dem Sonntag, an dem die sieben Überlebenden geborgen wurden. Sie wird geschrieben in den Ausschüssen, deren Sitzungen niemand besucht, in den Werften, deren Zertifikate niemand prüft, in den Büros jener Dienststellen, deren Namen auf keinem Pressefoto auftauchen, weil Pressefotografen lieber Retter am Horizont ablichten als Akten in Archiven. Sie wird in jener Sprache verhandelt, in der ein "Verlust" buchhalterisch als "vermisst" weiterleben kann, bis das Wasser entscheidet, was am Ende gilt.

Ein Mädchen von sieben Jahren hat diese Woche auf See überlebt. Die Hauptstadt hat noch nicht angefangen, sich zu erklären.

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