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Die einstudierte Empörung

21. Juli 2026 — — — Kastner

Es gibt Sätze, die in ihrer Höflichkeit verraten, was sie verbergen. „Verantwortungsvolles Verhalten" ist solch ein Satz. Y.S. Jagan Mohan Reddy, Präsident der YSR Congress Party, sprach ihn aus, als er am Donnerstag seine Fraktion im Parlament auf die Monsun-Session einschwörte, die am 20. Juli beginnt. Er ermahnte die Abgeordneten, die Interessen der Menschen in beiden Häusern zur Sprache zu bringen — Korruption, Landnahme, Bauernnot, die Not der Lehrer, die Zwangsprivatisierung der Häfen. Eine ordentliche Liste. Eine vorbereitete Anklage.

Doch die Form der Anklage ist die eigentliche Nachricht. Ein Oppositionsführer, der seine eigenen Mandatsträger zur Wachsamkeit aufruft, hält damit fest, dass die Wachsamkeit bereits erlahmt war. Ein Parlamentarier, der erst angewiesen werden muss, im Parlament zu sprechen, schweigt nicht aus Berechnung — er schweigt aus Gewöhnung. Die Einladung an die Fraktion, ihre Stimme zu erheben, ist die Notiz eines Mannes, der weiß, dass seine Leute sie längst gesenkt haben.

Was Reddy in Vijayawada aufzählte, hat die Sachlichkeit einer Anklageschrift: Unregelmäßigkeiten bei der Besetzung der DSC-Stellen — Ernennungen offenbar ohne Prüfung; willkürliche und korrumpierte Landzuteilung im ganzen Staat; Baukosten in Amaravati von über zwanzigtausend Rupien pro Quadratfuß, „eine Rate, die nirgendwo im Land bekannt ist"; Bauern, die ihr Land unter dem Pooling-System verweigerten und deren Äcker genommen wurden; falsche Anklagen gegen jene, die Missstände benannten; der Hafen von Ramayapatnam — ein Projekt von rund fünftausend Crore Rupien, das für fünfzehnhundert den Weg in private Hände fand. Es liest sich wie eine Bilanz. Es liest sich wie eine Erinnerung an das, was die YSRCP selbst regierte und nun dem Nachfolger vorrechnet.

Einen Tag später sitzt K. Pawan Kalyan, Präsident der Jana Sena und stellvertretender Ministerpräsident, in seinem Haus in Hyderabad und erteilt seinen Parlamentariern eine beinahe identische Anweisung: erhebt die Anliegen Andhra Pradeshs in der Session, wahrt den nationalen Blick, nutzt jede Gelegenheit für die Interessen des Staates. Dass die Regierungspartei ihren Abgeordneten erklären muss, wie man eine Parlamentssession nutzt, gehört zu den kleineren Ironien dieser Tage. Dass die Oppositionspartei es ebenfalls tun muss, ist die größere.

Denn die Bühne, auf die beide zeigen, ist nur die eine. Die andere Bühne sind die Zahlen, die das Zentrum selbst lieferte. Am Dienstag verwies die YSRCP auf Antworten, die Unionsstaatsminister Jitin Prasada im Parlament gab: Demnach wurden in den vergangenen zwei Jahren lediglich zehn Investitionsprojekte in Andhra Pradesh durch DPIIT und Invest India auf den Boden gebracht. Nur zwei davon sind fertiggestellt. Die übrigen befinden sich in verschiedenen Stadien. Die geschätzte Investitionssumme beträgt 6962 Crore Rupien. Die damit verbundenen 22 167 Arbeitsplätze sind, so die Antwort des Zentrums wörtlich, „erwartete Beschäftigungsmöglichkeiten nach Inbetriebnahme der Projekte" — keine bereits geschaffenen Stellen. Eine Zahl also, die keine ist. Eine Aussicht, kein Fakt. In den Entrepreneurship-Programmen des Staates nahmen 2024–25 zehntausendunddreiundneunzig Personen an zweihundertein Programmen teil, 2025–26 zweiunddreißigtausendvierhundertachtundzwanzig an sechshundertfünfundzwanzig. Ob aus diesen Teilnehmern Industrien, Kredite, Arbeitsplätze wurden, blieb, wie die YSRCP festhielt, offen.

Was die Regierung des Staates, so der Vorwurf der YSRCP, mit dem Anspruch gewaltiger Investitionen und großflächiger Beschäftigung gefüllt hat, ist genau dieses Vakuum: Versprechen, die sich beim Nachfragen als Projektionen erweisen. Die Beträge, die fehlen, sind doppelt verbucht — einmal in der Rede, einmal in der Hoffnung.

Dass Reddy am Donnerstagabend im Zentralbüro der Partei die „Jagan 2.0 Super App" startete — eine Plattform, die jeden Parteiarbeiter direkt mit der Führung verbinden und ihm angstfreie Meinungsäußerung ermöglichen soll —, ist in diesem Zusammenhang kein Nebenbefund. Es ist die zweite Geste derselben Woche: erst die Anweisung nach außen, dann die Verkabelung nach innen. Die App organisiert das Gehör hinter den Mauern, weil das Gehör auf der Bühne erkämpft werden muss.

Was bleibt, ist eine Opposition, die sich selbst kommandiert, und eine Regierung, die sich selbst erzählt. Beide tun es höflich. Beide tun es in derselben Woche. Und wer zwischen den Sätzen liest — zwischen „verantwortungsvolles Verhalten" und „Nation First", zwischen den zwanzigtausend Rupien pro Quadratfuß und dem Hafen, der für ein Drittel seines Wertes den Besitzer wechselte —, der versteht, dass die Session, die hier beschworen wird, nicht im Juli stattfindet. Sie dauert länger. Sie hat bereits begonnen.

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