Knox Jolie und die Politik des abgelegten Namens
Ein Stück Papier, darauf ein Zuname weniger als zuvor — und doch ein Vorgang, der Aufschluss gibt über die Macht der Benennung im Zeitalter öffentlich verwalteter Privatheiten.
Die Fusion Academy in Los Angeles hat dem Schüler Knox ein Abschlusszeugnis ausgehändigt. Er trägt den zwölften Juli, seinen Volljährigkeitstag, vor sich; auf dem Dokument steht „Knox Jolie". Der zweite Nachname, den er bis dahin mit seinem Vater teilte, ist getilgt. Für sich genommen ein Verwaltungsakt. In der Grammatik eines Gewerbes, das Prominenz in Erblast und Währung zugleich verwandelt, ein anderer Vorgang.
Die Mechanismen, die hier sichtbar werden, sind älter als die Beteiligten. Hollywood produziert nicht nur Filme, sondern Dynastien, und Dynastien werden über Namen organisiert. Ein Kind, das mit derart sichtbarem Startkapital antritt, erbt einen Markenkörper, dessen Kurse es nicht selbst diktiert. Es ist in eine Erzählung eingeschrieben, über die andere verfügen — Casting-Agenturen, Klatschblätter, die Erinnerung der Öffentlichkeit an das erste gemeinsame Foto. Ein Zuname in dieser Sphäre ist kein bloßes Schriftzeichen; er ist eine Art Wappen, das Geltung beansprucht oder zurückweist. Wer ihn ablegt, vollzieht, ob gewollt oder nicht, eine politische Geste: Er zieht eine Trennlinie zwischen dem, was er ist, und dem, wofür er gehalten wird.
„Knox Jolie" ist daher kein harmloser Druckfehler und keine Laune eines Abends. Der Pressedienst Page Six, der zuerst über das Diplom berichtete, lässt zwei Lesarten nebeneinander stehen. Eine dem Blatt bekannte Quelle schreibt den Schritt einem „langjährigen, intensiven, bewussten Bestreben" der Mutter zu, die Kinder vom Vater zu entfernen. Eine andere Quelle bestätigt die Existenz von Familientherapie und beschreibt den Wechsel als Folge eines Vertrauensbruchs, der durch das Verhalten des Vaters verursacht worden sei. Beide Erzählungen sind Aussagen von Insidern, keine gerichtsfesten Befunde. Sie zeigen aber, wie unterschiedlich dieselbe Handlung gelesen werden kann — und wie rasch der öffentliche Raum jede intime Entscheidung in ein fertiges Narrativ einsortiert.
Bemerkenswert ist, mit welcher Routine eine solche Namensänderung in der Boulevardpresse verhandelt wird. Die Daily Mail ordnet den Vorgang in einen größeren Rahmen ein und spricht von einem „Rachefeldzug" und einem „Vorhaben der parentalen Entfremdung". Diese Worte sind Anklagen, keine Feststellungen. Sie verraten mehr über die Vorannahmen der Berichterstattung als über die Lage der Familie. Was bleibt, ist ein Heranwachsender, der am Tag seiner Volljährigkeit einen Namen führt und einen anderen nicht mehr — und ein Publikum, das diesen Vorgang in die langjährige Fehde der Eltern hinein- und wieder herausliest, wie es ihm gefällt. Bei der Abschlussfeier selbst, so berichten Bildaufnahmen, ließ der Schüler ein Schimpfwort fallen und kündigte für 0:45 Uhr einen Kampf beim „Total Sonic Knockout 5" an; auch das liest sich, je nach Blickwinkel, als Pubertät oder als Programm.
Die Frage, die sich daran knüpft, ist nicht juristischer Natur. Sie lautet: Wer hat das Recht, einen Namen zu setzen, und wer hat das Recht, ihn abzulegen? Für die meisten Menschen bleibt sie eine Verwaltungssache; Diskretion schützt vor Beobachtung. Für Kinder sogenannter Megastars ist sie eine Frage der Autonomie im Scheinwerferlicht. Jede Geste, die wie Distanzierung vom Vaterhaus gelesen werden kann, wird zur Mitteilung an ein Millionenpublikum — ob die Absender das wollen oder nicht. Knox' Verzicht auf „Pitt" reiht sich ein in eine Reihe ähnlicher Akte, mit denen Kinder berühmter Eltern sich aus der gemeinsamen Erzählung herauszuschreiben versuchen, sei es durch öffentliche Namenswechsel, sei es durch die Löschung sozialer Profile, sei es durch die demonstrative Wahl anderer Berufsfelder.
Man darf das eine pubertäre Revolte nennen, und man darf es eine politische Erklärung nennen. Beides schließt einander nicht aus. Fest steht, dass eine simple Eintragung auf einem Zeugnis die Diskussion über Macht, Erbe und Selbstdarstellung in der Traumfabrik neu justiert — zumindest für die Dauer weniger Pressetage. Was danach kommt, wird sich zeigen, wenn die Kameras längst woanders hin gerichtet sind.