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imal auf dem Stimmzettel steht

26. Juli 2026 — — — Kastner

Es gibt Wörter, die fallen wie polierte Steine. „Ruthless" ist eines davon. Es bedeutet: ohne Anstand, ohne Schonung, ohne Mitleid. Wenn ein Podcast dieses Wort als Namen trägt, darf der Leser vermuten, dass dort jemand sitzt, der das Wort ernst nimmt. Stattdessen hört er Senator Dan Sullivan aus Alaska, der erklärt, man wolle ihm seinen Namen stehlen.

Die Behauptung wiegt schwer. Ein zweiter Dan Sullivan, ein Rentner, mit Spendern aus dem linken ActBlue-Netzwerk, mit zwei Zuwendungen an Mary Peltola in den vergangenen sechs Monaten, habe sich in die Wählerlisten eintragen lassen. Zunächst habe er Sullivans Mittelinitial übernommen, als gehöre selbst ein Buchstabe zur politischen Beute. Die zuständige Wahlbehörde habe das zurückgewiesen. Dann habe der Doppelgänger die Website und das Logo kopiert. So schildert es der Senator in einem Exklusivinterview, das am Donnerstagmorgen auf dem „Ruthless Podcast" erschien, moderiert vom republikanischen Strategen Josh Holmes, der den vermeintlichen Plan mit der Präzision eines Mechanikers erläutert: zwei, drei, vier, fünf Prozent auf dem Stimmzettel, genug, um in einem umkämpften Rennen den entscheidenden Vorsprung zu erzeugen.

Sullivan, 2014 erstmals in den Senat gewählt, ist Marine-Veteran und sitzt im Streitkräfteausschuss. Ein Foto zeigt ihn am 30. April dieses Jahres im Dirksen Senate Office Building. Er sagt, er werde den Demokraten „den Garaus machen" — „take down" — und seine Zuversicht ist die eines Mannes, der jedes Wochenende zu Hause arbeite, bei Paraden, niemand härter als er und sein Team. Die Leute seien „mad". Sein Gegenüber Mary Peltola, die nach dem Tod des langjährigen Abgeordneten Don Young per Nachwahl ins Repräsentantenhaus einzog und nun die demokratische Vorwahl anführt, hat über ihre Kampagne jede Verbindung zu der zweiten Sullivan-Kandidatur bestreiten lassen.

Die Geschichte trägt die Architektur eines politischen Märchens. Held, Schurke, Mechanik, Pointe. Wer die Mechanik benennt, ohne die Pointe zu kennen, muss auch die Mechanik prüfen. Was belegt ist: dass in Alaska ein zweiter Mann mit Namen Dan Sullivan kandidiert. Was belegt ist: dass dieser Mann versucht hat, Sullivans Mittelinitial zu verwenden, und dass die Wahlbehörde das abgelehnt hat. Was belegt ist: dass er über ActBlue Spenden sammelt und Peltola unterstützt. Was nicht belegt ist: dass die Demokratische Partei diesen Kandidaten „rekrutiert" hat, wie Sullivan sagt. Was nicht belegt ist: dass es sich um mehr als einen lokalen Aktivisten handelt, der einen ähnlichen Namen trägt. Was nicht belegt ist, ist zugleich das, was die Erzählung trägt.

Hier beginnt das Misstrauen, das jeder Berichterstatter mitbringen sollte, der das Wort „Ruthless" beim Namen nimmt. Ein Podcast, der Gnadenlosigkeit als Marke führt, ist kein Nachrichtenorgan. Er ist eine Bühne. Auf dieser Bühne darf ein Senator sagen, die Demokraten hätten „beschlossen zu schummeln", weil die negativen Anzeigen, die seit Juni vergangenen Jahres gegen ihn liefen, ihn nicht zerstörten. Minderheitsführer Chuck Schumer habe mit „far-left groups" die Mehrheit über Alaska erringen wollen. Das ist die Behauptung. Sie steht in einem Podcast, der sich nach Redlichkeit im Kampf benennt, aber die Form einer Talkshow trägt.

Was für ein Wert ist es, einen Namen zu stehlen? In einem Staat mit überschaubarer Wählerschaft, in dem jeder Prozentpunkt zählt, kann ein zweiter Sullivan auf dem Stimmzettel jenen Wählern, die nicht jedes Detail prüfen, einen Moment der Verwirrung schenken. Wer Sullivan wählen will, tippt möglicherweise auf den falschen Sullivan. Wer Peltola wählen will, wählt am Ende einen Sullivan, weil der Name es ihm sagt. Das ist die Mechanik der Verwechslung, die Sullivan namhaft macht. Sie funktioniert, wenn sie funktioniert. Sie funktioniert nicht, wenn die Wähler den Unterschied sehen — und Sullivan glaubt, dass die Wähler den Unterschied sehen werden, weil er zu Hause ist und die Bürger ihn kennen.

Die Frage ist daher nicht, ob Sullivan das Rennen gewinnen wird. Sullivan sagt es. Die Frage ist, was ein Senator aufgibt, wenn er seinen Sieg als Abwehrschlacht gegen einen angeblichen Betrug inszeniert, dessen Indizienkette aus einem Podcast-Erfahrungsbericht besteht. Wer das Wort „stealing" benutzt, wenn er „ähnliche Namen" sagen könnte, hat die Bühne betreten, auf der Fakten nur noch Nebenfiguren sind.

Im November wird sich zeigen, wem der Name Sullivan auf dem Stimmzettel gehört. Bis dahin gehört er einem Podcast, der sich nach Gnadenlosigkeit benennt, aber bislang nur die Architektur einer Erzählung liefert.

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