Vom Cat-Drawer zum Peacock-Stoff: Anatomie eines literarischen Aufstiegs
Es gibt Geschichten, die beginnen mit dem richtigen Riecher, und solche, die beginnen mit einer Katze. Im Fall von Matt Dinniman, dem Autor der inzwischen 13,5 Millionen Mal verkauften Buchreihe "Dungeon Crawler Carl", ist es womöglich die Katze. "I mean, it's got a cat in it", sagte er jüngst in San Diego, mit jener beiläufigen Aufrichtigkeit, die nur sich leistet, wer nichts mehr beweisen muss. Man hört den Handschuh über das Glas streifen, wenn er es sagt.
Dabei ist der Weg dorthin ein anderer gewesen, als die Legende es später erzählen wird. Dinniman schreibt, so sagt er, seit er ein Kind war. Sein erstes Buch erschien im Jahr 2003 bei einem kleinen Verlag. Damals, so erinnert er sich gegenüber der Presse, galt eine ungeschriebene Regel: Wer sich selbst verlegte, hatte es nicht geschafft. "That stigma still exists", fügt er hinzu — eine Bemerkung, die heute wie ein Epitaph auf eine ganze Branche klingt, die gerade dabei ist, sich neu zu erfinden, und zwar nicht zum Vorteil ihrer Zulieferer.
Es dauerte bis 2017, ehe Dinniman den Sprung wagte. Damals veröffentlichte er "Dominion of Blades" und damit seinen Einstand in einem Genre, das zu diesem Zeitpunkt noch nicht den Namen trug, der ihm später Ruhm einbringen sollte: Literary Role-Playing Game, kurz LitRPG. Die Leserschaft war überschaubar, der Markt eine Nische. Um zu überleben, so berichtet er, zeichnete er auf Conventions Katzen und Hunde — im Jahr 2019, allein, zweiundvierzig Mal im Land. Eine Zahl, die nicht nur Ausdauer belegt, sondern auch ein gewisses Verständnis dafür, was eine Branche ihren Außenseitern zumutet, bevor sie an ihre Tür klopft.
Die Pandemie unterbrach diesen Nebenerwerb im Jahr 2020, und Dinniman begann sein nächstes Projekt: "Dungeon Crawler Carl", eine Serie um einen pantlosen Veteranen der Küstenwache und dessen Ex-Freundin-Katze namens Princess Donut, die in einer intergalaktischen Reality-Show bestehen müssen. Die erzählerischen Voraussetzungen sind nicht hochkomplex; das Setting ist Servicepersonal, der Ton ist Zynismus mit Samthandschuhen. Die Erfindung beginnt dort, wo ein Patreon-Konto ins Spiel kommt: fünfzig Dollar im Monat, so erzählt es der Autor, waren zunächst ein Grund zur Freude. Es war ein Maßstab für das, was sich bald ändern sollte.
Die entscheidende Wende kam mit dem Hörbuch. Jeff Hays, der Erzähler der Audiospur, gab der Figur eine Stimme, die das geschriebene Wort offenbar überstieg. Die Hörbuchversion wurde zum eigentlichen Vertriebskanal — und von hier an beschleunigte sich die Kurve in jenem Tempo, das die Branche als exponentielles Wachstum bezeichnet, wenn sie nicht lügen will. Bis 2023 hatte Dinniman Hunderttausende von Exemplaren verkauft. Penguin Random House wurde aufmerksam.
Im August 2024 brachte der Konzern die Reihe in die Buchhandlungen des Landes. Was dann geschah, ist weniger ein literarisches Ereignis als ein Vertriebsphänomen: TikTok entdeckte die Bücher, und von dort an lief eine Maschine an, deren Zahnräder in New York, in München, in London gleichermaßen greifen. Dinniman selbst spricht von exponentiellem Wachstum über Jahre. Es ist die Sprache eines Mannes, der beobachtet, wie ein Produkt sich von ihm löst und eine eigene Geschwindigkeit entwickelt.
Die nächste Stufe folgt einem vertrauten Drehbuch. Seth MacFarlane, dessen Fuzzy Door Productions die TV-Adaption entwickeln, brachte das Projekt zu Peacock. Christopher Yost, Drehbuchautor von "Thor: Ragnarok", übernimmt die Schriftführung. Jeff Hays, der Erzähler der Hörbücher, wurde für die Rolle des Prince Donut verpflichtet. Dinniman selbst bleibt als Executive Producer an Bord. Über die Vertragsdetails ist nichts bekannt; dass er mehrere Angebote erhalten hat und sich für NBCUniversal entschied, lässt sich vermerken — wozu, das wird sich zeigen, wenn die ersten Quoten vorliegen und die Handschuhe wieder in den Schubladen verschwinden.
Was also sehen wir, wenn wir auf diese Architektur blicken? Ein Self-Publisher, der das Stigma des Self-Publishings nicht beseitigte, sondern überholte, weil die Plattformen — Patreon, TikTok, Audible — die Vertriebsstrukturen geschaffen haben, an denen die traditionellen Häuser früher verdienten und die sie nun ihrerseits anzapfen. Ein literarisches Nischenprodukt, das durch ein Hörbuchformat seine kritische Masse erhielt, weil eine Stimme dem Text jene Zugänglichkeit gab, die das gedruckte Wort allein ihm nicht verschafft hätte. Ein Autor, dessen Werk Penguin Random House übernahm, nachdem es bereits Hunderttausende Male verkauft war — also nicht, weil das Haus das Risiko trug, sondern weil es die Ernte einbrachte. Eine TV-Adaption, die nun die Marke in jene Formate übersetzt, in denen die Margen liegen: Streaming-Serien, Synchronisationsketten, internationale Lizenzen.
Es ist, mit Verlaub, eine sehr alte Geschichte in einem neuen Kostüm. Der Self-Publisher liefert das Risiko, die digitale Vertriebsstruktur liefert die kritische Masse, der Großverlag liefert die Regale, das Studio liefert das Format. Was am Ende übrig bleibt, ist ein Werk, das seine ursprüngliche Form verliert, während es seinen Marktanteil vervielfacht. Der Autor sitzt im Kredit; die Maschine läuft.
Dinniman hat das Spiel gespielt und, soweit man sehen kann, nicht ungeschickt. Er ist Executive Producer seiner eigenen Adaption, behält seine Stimme als Erzähler — wörtlich, in Gestalt seines Hörbuchsprechers — und behält einen Anteil an der Geschichte, die er einst zwischen Cat-Drawings auf einer Convention zu schreiben begann. Ob das ein Sieg ist oder ein weiterer Beleg dafür, wie trefflich die Industrie darin geworden ist, individuelle Erfolge zu integrieren, ohne sich dabei selbst zu verändern, das wird sich zeigen, wenn die erste Staffel ausgestrahlt wird und die Verträge in jene Schubladen wandern, in denen Erfolgsgeschichten aufbewahrt werden, bis das nächste Self-Publishing-Wunder vor der Tür steht.
Bis dahin bleibt die Katze. Und die fünfzig Dollar, die einmal nach sehr viel aussahen.