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Die stille Karte: Was über die Kurden verschwiegen wird

28. Juli 2026 — — — Kastner

Es liegt wieder auf dem Tisch — die Rede von den Kurden. Wie immer steht ein Volk im Licht, während die Mechanik im Schatten arbeitet. Wie immer sprechen die Hauptstädte von Menschenrechten, von Grenzen, vom IS, während die Architekten längst andere Rechnungen aufgemacht haben.

Wer die Kurden behandelt, behandelt ein Vokabular von rund vierzig Millionen Menschen. Was in den Spalten ankommt, ist eine einzige Note: die nützlichen Verbündeten, die tragisch Vergessenen, die ewigen Opfer. Die Feinmuster bleiben draußen. Dabei ist es genau dieses Feinmuster, das die Substanz ausmacht.

Beginnen wir mit dem, was die Berichterstattung am konsequentesten ignoriert: den inneren Bruchlinien. Die Kurden sind kein monolithischer Block. Sie sind ein Flickenteppich aus politischen Lagern, Stammeslinien und ideologischen Strömungen, die sich gegenseitig so misstrauen wie die Hauptstädte ihnen. Die KDP in Erbil und die PUK in Sulaimaniyya — beide in der Kurdischen Regionalregierung im Nordirak, beide in einem Haushalt, beide in einem Verteilungskampf um Öleinnahmen und politische Macht, der gelegentlich in Schießereien mündet und dessen vorläufiges Abkommen zwischen Bagdad und Erbil über Haushaltszuweisungen die neuralgische Erdölleitung durch die Türkei nicht entschärft hat.

In Syrien verläuft die Bruchlinie anders, aber nicht weniger scharf. Die SDF, personell dominiert von der YPG, und die syrische Übergangsregierung haben seit dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 ein Übergangsabkommen unterzeichnet, das eine schrittweise Integration in die syrischen Sicherheitsstrukturen bis Jahresende vorsieht. Auf dem Papier. Dass die YPG und die PKK personell, ideologisch und logistisch verflochten sind, dass die Türkei hier eigene Interessen verfolgt, dass Washington die SDF einst als Partner im Kampf gegen den IS aufgebaut hat — diese Schicht fehlt im Bild. Die PKK selbst, im Südosten der Türkei, im Nordirak und in Syrien präsent, europäisch gelistet, nach einem Führungswechsel neu aufgestellt, wird in den meisten Darstellungen als Randnotiz geführt, nicht als Akteur.

Dann die wirtschaftlichen Dynamiken. Die Kurden sitzen auf einem der größten unerschlossenen Energie- und Wasservorräte der Region. Die Kirkuk-Felder. Die Gasvorräte. Die Tigris- und Euphrat-Zuflüsse. Wer die Kurden behandelt, ohne die Wasserverteilung zu erwähnen, verschweigt einen zentralen Hebel. Wer die Kurden behandelt, ohne die Schmuggelrouten durch die iranisch-irakische Grenze zu benennen, lässt das operative Bild unvollständig. Die Korridore, durch die Öl, Waffen und Menschen fließen, sind die zweite Landkarte der Region.

Und noch etwas: Die Kurden werden immer entlang der Linie eines Staates gelesen, dem sie nicht angehören. Sie erscheinen im irakischen, türkischen, syrischen, iranischen Kontext. Aber der Kontext selbst — die Rolle der Stammesführung, der kommunalen Strukturen, der innerkurdischen Verhandlungslage — bleibt in den Berichten ein Appendix. Was hier fehlt, ist kein ausgeklügeltes Komplott. Was hier fehlt, ist Journalismus, der benennt, was da ist, statt zu reproduzieren, was sich reimt.

Die Kurden sind keine Fußnote der Weltpolitik. Sie sind ein Knotenpunkt.

Und Knotenpunkte werden nicht ignoriert. Sie werden unsichtbar gemacht. Mit Sorgfalt. Mit Routine. Mit Handschuhen.

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