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Berater-Millionen der Tories: Was Labour einst verbieten wollte

29. Juli 2026 — — — Kastner

Die Zahlen liegen vor, und sie sind so höflich wie einst das Versprechen, das sie begraben haben. Konservative Abgeordnete haben über Jahre hinweg Millionenbeträge mit Beratertätigkeiten und politischen Mandaten eingenommen – Tätigkeiten, die die Labour-Partei in der Vergangenheit explizit als unvereinbar mit einem Parlamentsmandat bezeichnet und deren Verbot sie angekündigt hatte.

Nach einer Analyse des New Statesman vom November 2021 erwirtschafteten allein die Abgeordneten der Regierungspartei zwischen Mai und Oktober 2021 insgesamt 1.088.036 Pfund mit politischer Beratung und ähnlichen Tätigkeiten – genau jene Einnahmen, die der damalige Premierminister Boris Johnson per Verbot zu unterbinden gedachte. Die Summe, so der Bericht, sei das, was den Konservativen binnen sechs Monaten entgangen wäre.

Die Quelle dieser Dokumentation ist das Register der parlamentarischen Interessen, in dem britische Abgeordnete ihre Nebeneinkünfte offenlegen müssen. Das Register schweigt nicht – es rechnet vor, in welchem Ausmaß Abgeordnete Zugriff auf Honorare haben, die weit über dem Grundgehalt eines normalen Parlamentariers hinausgehen.

Labour war unter Keir Starmer im Wahlprogramm 2024 angetreten, Politiker mit sofortiger Wirkung von bezahlten Beratungs- und Konsulententätigkeiten auszuschließen. Die Daily Mail berichtete im Juli 2024, die Regierung wolle mit dem Verbot von Lobbying- und Beraterjobs den Westminster-Sleaze-Skandalen – der Serie von Affären um unlautere Nebentätigkeiten – ein Ende setzen. Der Guardian schrieb am 29. Juli 2025, die nun verabschiedeten Maßnahmen würden bestehende Lücken schließen, blieben aber hinter weitergehenden Forderungen nach einem Verbot sämtlicher Zweitjobs zurück.

Die Mechanik, die sich hier zeigt, ist bestechend einfach. Parteien, die in der Opposition sind, nutzen das Thema der Nebentätigkeiten, um die jeweilige Regierung unter Druck zu setzen. Sie klingen moralisch, sie versprechen saubere Hände, sie schreiben sich die Empörung über Westminster-Sleaze-Geschichten auf die Fahnen. Sobald sie selbst regieren – oder Bündnisse mit jenen eingehen, die regieren –, wird das Versprechen leiser, biegt sich, zerfasert. Die Labour-Partei, die im Wahlkampf 2024 mit dem Slogan des sofortigen Verbots antrat, hat Maßnahmen vorgelegt, die laut Guardian zwar das Verbot konkreter Beratungs- und Konsulententätigkeiten umsetzen, aber weiterreichende Verbote – etwa sämtlicher Zweitjobs – ausklammern.

Die Ironie ist nicht neu, sie ist in Großbritannien so alt wie die Politik selbst. Wer im Mai die Lautstärke der Empörung besitzt, verwaltet im Oktober die Honorare. Was Labour als Verdikt über die Konservativen verkündete, war zugleich eine Vorlage für die eigene, leisere Zukunft.

Ein Abgeordneter, der gleichzeitig Berater ist, ist in Westminster kein Ausnahmefall. Er ist das Modell. Beträge, die das Grundgehalt eines Parlamentariers um ein Vielfaches übersteigen, sind in der politischen Klasse Großbritanniens nicht als Verstoß gegen den Anstand codiert, sondern als Karriereoption. Was Labour einst verbieten wollte, hat die konservative Vorgängerregierung über Jahre hinweg als Selbstverständlichkeit behandelt.

Die neue britische Regierung, die das Versprechen gab, hat nun die Pflicht zu liefern. Doch Westminster, das weiß jede Kolumnistin, die diesen Saal kennt, vergisst Versprechen so schnell, wie es sie macht. Die Fabrik der Beraterhonorare produziert indessen weiter. Wer den Mechanismus verstehen will, muss nur die Register lesen. Die Handschuhe darf man dabei ruhig anbehalten.

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